News vom 03.02.2022

Alles im Griff: Stift unterstützt Kinder beim Schreiben

Ein drucksensibler Stift hilft Kindern mit Schwierigkeiten in der Kraftdosierung, ihre Schreibbewegungen zu verbessern. Das System SensoGrip, bestehend aus Stift und App, soll im Therapiesetting eingesetzt werden.

Ein Kind schreibt mit dem Stift Sensogrip. Ein*e Therapeut*in hält das Tablet mit den Auswertungen.

Falsche Kraftdosierung beim Schreiben mindert Konzentration im Unterricht

Schreibkompetenz ist der Grundstein für schulischen, aber auch beruflichen Erfolg. Etwa 60 Prozent aller Sechs- bis Achtjährigen in Österreich können nicht ausdauernd schreiben. Grund dafür sind häufig Verkrampfungen in der Hand oder eine inkorrekte Stifthaltung. Vor allem die Kraftdosierung macht vielen Kindern Schwierigkeiten: Sie verkrampfen ihre Hände, halten den Stift falsch oder zu fest, sodass die Handmuskulatur schneller ermüdet und Schreiben und Zeichnen mühsamer macht. Das hat zur Folge, dass sich die Kinder zu stark auf das Schreiben konzentrieren und so schwerer dem Unterricht folgen können.

Schreiben (wieder) kinderleicht gemacht

„Wir wollten einen Stift für die Therapiepraxis entwickeln, der den Druck beim Schreiben misst und gleichzeitig durch geeignetes Feedback das Kind motiviert, seine Bewegungen zu verbessern“, sagt Projektleiter Franz Werner von der FH Campus Wien. Wesentlich war dabei, die betroffenen Personengruppen aktiv in die Forschungsarbeit einzubeziehen. Anhand von Literaturrecherche und in Workshops und Fokusgruppen mit Kindern, Therapeut*innen und Pädagog*innen wurden die notwendigen Anforderungen ermittelt. Darauf basierend erstellte das Forscher*innen-Team erste Designprototypen, die sie in Hinblick auf Mechanik, Elektronik und Software weiterentwickelten. Um Messungen im therapeutischen Setting schnell auswerten und dokumentieren zu können, wurde eine App entwickelt, die Sensorwerte wie Minen- und Fingerdruck, Schreibgeschwindigkeit sowie Schreibwinkel auswertet und in einem Echtzeit-Diagramm darstellt.

Hand in Hand

Trotz komplexer Mechanik und integrierter elektronischer Messvorrichtung ist der Stift für Kinder mit graphomotorischen Schwächen nicht wesentlich größer als ein normaler Druckbleistift. In einer dreimonatigen Studie evaluierten diesen 17 Kinder, deren Ergotherapeut*innen, Eltern sowie Pädagog*innen. Kinder bewerteten vor allem Gewicht, Haptik, Aussehen und Nützlichkeit besonders positiv. Therapeut*innen überzeugte insbesondere die motivierende Wirkung des Stifts sowie die Möglichkeit zur transparenten Dokumentation. Die Ergebnisse zeigen über die gesamte Studiendauer eine klar messbare Verbesserung des Stiftdrucks auf das Papier beim Schreiben. Der Prototyp des SensoGrip erfüllt alle wesentlichen Voraussetzungen für die Zulassung als Medizinprodukt. Er wird aktuell bereits in Folgestudien eingesetzt, um weitere Informationen über die Grafomotorik bei Kindern zu gewinnen.

Digitales Hilfsmittel an der Schnittstelle von Gesundheit und Technik

Für digitale Hilfsmittel in Diagnostik und Therapie braucht es sowohl technisches als auch gesundheitswissenschaftliches Know-how. An der FH Campus Wien sind beide Disziplinen unter einem Dach und können so auf einzigartige Weise verknüpft werden. Im von der MA 23 der Stadt Wien geförderten interdisziplinären Forschungsprojekt SensoGrip arbeiteten Expert*innen und Studierende aus den Studiengängen Health Assisting Engineering, Electronic Systems Engineering, Ergotherapie und High Tech Manufacturing zusammen.

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