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30.11.2017

Verwaltung braucht Forschung

Die weißen Flecken in der Verwaltungsforschung kämen eher weißen Flächen gleich, schon aus diesem Grund sei ein Kompetenzzentrum für Verwaltungswissenschaften längst überfällig, war man sich bei dessen feierlicher Eröffnung und nach einer lebhaften Diskussion einig. Spitzen aus Politik und Verwaltung waren dabei.

 

Alfred Hödl, Leiter des Kompetenzzentrums für Verwaltungswissenschaften, (c) David Bohmann

Für neue Wege des Wissensmanagements, der Partizipation, der gesellschaftlichen Inklusion und der verstärkten Orientierung am Gemeinwohl brauchen die staatliche Verwaltung und die öffentliche Wirtschaft mehr denn je Forschung. „Das Kompetenzzentrum für Verwaltungswissenschaften der FH Campus Wien positioniert sich als Innovationstreiber in diesem Umfeld“, mit dieser Ansage begrüßte Alfred Hödl, die Gäste bei der Eröffnungsfeier.

Staat als Innovationsmotor

"Die Digitalisierung bringt enorme Umwälzungen für unsere Gesellschaft und durchdringt alle Lebensbereiche. In dieser Zeit des Umbruchs hat der Staat die Aufgabe, in diesem Prozess für Stabilität zu sorgen und Innovationen voranzutreiben", sagte Staatssekretärin Muna Duzdar in ihrer Eröffnungsrede. Der Staat sei aber auch ein Innovationsmotor, der die Digitalisierung gestalte und fördere, so Duzdar weiter. In seiner anschließenden Rede warf Peter D. Forgács, Soziologe und Autor des Buches „Der ausgelieferte Beamte“, einen Blick auf die soziale Dimension der Verwaltung. Neben dem janusköpfigen Image der BeamtInnen, ineffizient und faul auf der einen Seite, treu und pflichtbewusst auf der anderen, skizzierte er mögliche Reaktionen auf Stellenreduktion und gefühlte Verschlechterung der Arbeitsbedingungen. Wichtig sei, so Forgács, sich bewusst zu machen, dass BeamtInnen eine der größten und höchstgebildeten sozialen Gruppen seien und dieses Potenzial sei zu nutzen.

Frischer Sauerstoff für die Verwaltung

„Forschung ist wie frischer Sauerstoff für die Verwaltung“, brachte es Angelika Flatz, Bundeskanzleramt, Leiterin der Sektion III, Öffentlicher Dienst und Verwaltungsinnovation in der anschließenden Podiumsdiskussion auf den Punkt. Innovation im öffentlichen Sektor könne jedoch nur in einem interdisziplinären Rahmen entstehen. Für übergreifende Lösungen sei es wichtig, die gesamte Bandbreit an relevanten StakeholderInnen, allen voran BürgerInnen, aber auch andere Organisationen, einzubinden. „Diese Vernetzung erwarte ich mir vom Kompetenzzentrum für Verwaltungswissenschaften“, so Flatz. In diese Richtung gehend sprach Manfred Matzka, Präsident der „Österreichischen Verwaltungswissenschaftlichen Gesellschaft“ (ÖVG) und ehemaliger Leiter der Präsidialsektion im Bundeskanzleramt, eine Einladung an das neu eröffnete Kompetenzzentrum zur Kooperation aus. „Mit gemeinsamen Aktivitäten und Veranstaltungen können wir spürbare Impulse setzen“, so Matzka. Es gäbe noch viel zu tun. Der ehemalige Leiter der Präsidialsektion im Bundeskanzleramt nahm die Eröffnung zum Anlass, ausgedehnte weiße Flecken in der österreichischen verwaltungswissenschaftlichen Forschung festzustellen.

Grundlagen- oder angewandte Forschung?

Michael Sedlacko vom Kompetenzzentrum für Verwaltungswissenschaften zeigte sich überzeugt, Wissenschaft könne die Lern- und Reflexionsfähigkeit in der öffentlichen Verwaltung verbessern. „Was bisher fehlt, ist theoriegeleitete empirische Forschung. Es ist wichtig, zu wissen, von welcher Ebene wir die öffentliche Verwaltung analysieren – aus der Makro-, Meso- oder Mikroperspektive", ruft Sedlacko ins Bewusstsein. Einen Schritt weiter ging Peter D. Forgács. Die öffentliche Verwaltung sei ein so „unbekanntes Land“, dass man noch viel früher ansetzen müsste, nämlich bei der Grundlagenforschung. Forschung im Bereich der Verwaltungswissenschaften habe in jedem Fall auch die Funktion, öffentliche Verwaltung zu legitimieren. Die Gründung des Kompetenzzentrums sei schon aus diesem Grund mehr als notwendig und längst überfällig, folgerte Staatssekretärin Duzdar.

„Fordert uns!“

Forschung könne nur durch einen umfassenden Zugang zu Daten funktionieren, so Julia Dahlvik, vom Kompetenzzentrum für Verwaltungswissenschaften und Diskussionsleiterin. Die dafür notwendige Transparenz sei ein Ergebnis der wirkungsorientierten Verwaltungssteuerung, zog Sektionschefin Flatz positive Zwischenbilanz. Sie richtete abschließend einen Appell an das Kompetenzzentrum für Verwaltungswissenschaften: „Sprecht, schreibt, diskutiert über uns und vor allem fordert uns!“

Kompetenzzentrum für Verwaltungswissenschaften

Eingebunden in die Studiengänge Public Management verbindet das Kompetenzzentrum für Verwaltungswissenschaften problemorientierte sozialwissenschaftliche Forschung, Praxis im öffentlichen Sektor und Lehre. Forschungsschwerpunkte sind Organisation, Wissen und Technologie(n); Inklusion – Exklusion; Aus- und Weiterbildungsforschung, Kompetenzforschung; Leadership – Followership und Public Value/Gemeinwohl.