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18.12.2019

Campus Lecture Holzbau – quo vadis

Ziviltechniker Richard Woschitz realisiert mit seinem Unternehmen außergewöhnliche Holzbauten und zeigte welche Vorteile Holzbau in Bezug auf Bauklimatik, Energydesign, Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz hat.

Richard Woschitz mit Architektur – Green Bulilding-Masterstudiengangsleiter Martin Aichholzer bei der Campus Lecture am 31. Oktober, © FH Campus Wien

Regionalität, Interdisziplinarität und Effizienz

Beinahe seit einem Vierteljahrhundert realisiert Richard Woschitz Bauwerke, der Holzbau war sozusagen der Anfang seiner Unternehmensgruppe Woschitz Group. Für ihn führt der Weg, um zukunftsorientiertes Konstruieren und innovative Architekturansätze zu realisieren, über mehrere Punkte: Regionalität spielt eine große Rolle, interdisziplinärer Zusammenarbeit zwischen Architektur und Engineering kommt immer mehr Bedeutung zu und Maßnahmen zur Effizienz durch Prozessoptimierung werden künftig immer wichtiger. Dabei ist auch auf Ressourceneffizienz bei den Materialien von Beginn eines Projektes bis zum Abbruch eines Objektes zu achten, ganz im Sinne der Nachhaltigkeit und nach dem Motto: Je weniger Materialien man einbaut, desto weniger sind zu entsorgen.

Holzbau als Systembau

Bauen mit Holz ermöglicht hohe Effizienz für Kosten und Zeit, besonders, wenn in einem frühen Stadium des Baufortschritts standardisierte vorgefertigte Holz-Bauteilelemente eingesetzt werden. Dieser Systembau muss wirtschaftlich und stabil sein, sicher und zerlegbar, robust und regendicht.  Neben dem konventionellen Blockbau und Holzriegelbauweise sind Holzhybrid-Konstruktionen zukunftsweisend. Dabei bestehen tragende Elemente aus mineralischen Stoffen, wie etwa Beton. Das verkürzt die Bauzeit und macht maximal flexibel. Größere Spannweiten und Auskragungen sind leicht möglich und diese Bauweise schont die Ressourcen – je höher der Holzanteil umso effizienter das Gesamtsystem.

Innovationen für immer mehr Einsatzmöglichkeiten

Diese Baumethode ist auch für die Sanierung und den Ausbau alter Baubestände geeignet, da die nicht belastbaren historischen Gebäudeteile mit Holzhybridbauten ergänzt werden können. Aus der Praxis zeigte Woschitz beispielsweise die Volksschule in der Wiener Christian Bucher-Gasse, die Schule aus den 1950er Jahren wurde um fünf zusätzlich Klassen und weitere gemeinschaftliche Funktionsräume erweitert. Erstmals wurde bei der Montage des ca. sechs Meter auskragenden Bauteil aus Brettsperrholzwänden der Ansatz des Verzahnens und Verkeilens angewendet. Innovativ ist auch ein Hybridbau an der Wiener Weinzeile, der einen Mix aus Büroflächen und Wohnungen beherbergt: hier wurde erstmalig Baubuche für Wände eingesetzt, zudem zahlten vorgefertigte HBV-Decken als Vollfertigelemente auf die Bauzeit ein.

Hoch hinaus mit Holz

Dass auch extreme Höhen in Holzbauweise möglich sind, zeigte Woschitz anhand mehrere Beispiele. Der „Bahnorama“- Aussichtsturm am Wiener Hauptbahnhof war mit 66,7 Meter Höhe der höchste begehbare Holzturm Europas.
84 Meter misst das Holz-Hochhaus HoHo in der Asperner Seestadt in Wien 22, das aus Fichten – und Lärchenholz rund um den Betonkern gefertigt ist. Auch dabei setzte Woschitz auf „Lego-Bauprinzip“ – sprich auf Einsatz von Vollfertigteilen, die ineinandergreifen. Dank dieser „Keep it simple-Bauweise“ gelang die Errichtung von 6 Geschoßen in 7 Wochen. Eine besondere Herausforderung bei der Montage stellte der wegen der Höhe starke Wind dar.
Mit dem HAUT, einem Wohnturm in Amsterdam, der mit 73 Meter Höhe und 21 oberirdische Stockwerken geplant ist, geht Woschitz wieder einen Schritt weiter, denn hier wird die Holzhybridbauweise erstmals auch mit der Thematik von freischwebenden Balkonen und Loggien ergänzt.