News vom 18.10.2021

Hochkarätige Fachdiskussion zu Sicherheitsausbildung – Forschungsprojekt AQUS II

Der Fachbereich Risiko- und Sicherheitsmanagement präsentierte mit Partner*innen Curricula-Vorschläge für Sicherheitspersonal in der kritischen Infrastruktur und bei Bewachungsunternehmen.

Fachkonferenz AQUS II: "Mission Qualifikation"


Public-Private-Partnerships von öffentlichen Sicherheitsbehörden und privaten Sicherheitsdienstleister*innen sind nicht nur für den Schutz Kritischer Infrastruktur, sondern beispielsweise auch bei (Sport-)Großveranstaltungen von besonderer Bedeutung. Bemühungen einheitliche Ausbildungs- und Qualitätsstandards für Sicherheitsdienstleister*innen einzuführen laufen bereits einige Jahre, das Thema wird auch im aktuellen Regierungsprogramm erwähnt.

Ein Team aus dem Fachbereich Risiko- und Sicherheitsmanagement arbeitete unter der Leitung von Claudia Körmer und Thomas Goiser gemeinsam mit hochkarätigen Partner*innen (siehe unten) seit Herbst 2020 an aktuellen Ansätzen im Forschungsprojekt „AQUS II – Ausbildungs- und Qualitätsstandards für Sicherheitsdienstleister*innen“. Die Ergebnisse wurden letzten Freitag (15.10.) im Rahmen einer Fachkonferenz den nahezu 80 Gästen präsentiert und gemeinsam mit aktuellen internationalen Inputs diskutiert.

EU-weit steigen künftig Standards – Kritische Infrastruktur gefordert

Nach der Begrüßung durch Vizerektor Heimo Sandtner gab Heike Buss (Europäische Kommission, Generaldirektion Migration und Inneres) einen ersten Fachinput zu aktuellen Entwicklungen auf EU-Ebene wie etwa die laufenden Verhandlungen über die Richtlinie zur Resilienz kritischer Einrichtungen oder der „NIS II“-Richtlinie. Schutz alleine reicht nicht aus, es geht zunehmend auch um die Bewältigung von Störfällen. Die Bedrohungen steigen in Quantität, Qualität und Vernetzung, sie reichen von Drohnenangriffen über IT-Attacken bis zur Häufung extremer Wetterereignisse. Der Prozess zur Gestaltung der neuen Mindeststandards in Richtlinienform läuft seit Ende 2020.

Danach diskutierten mit Werner Autericky (Parlamentsdirektion), Roman Hahslinger (ÖBB), Kurt Misak (APG) sowie Werner Müllner (stv. Chefredakteur der APA) vier Sicherheitsverantwortliche aus der Kritischen Infrastruktur die aktuellen Herausforderungen – zwischen Bewältigung der Pandemie und Vorbereitungen auf mögliche Blackouts. Neben der rechtlichen Ebene wurden die gestiegene Komplexität und die Vernetzung angesprochen. So gebe es nicht nur steigenden Personalmangel bei Sicherheitspersonal, sondern auch z.B. zu wenige Fachkräfte mit elektrotechnischer Ausbildung am Arbeitsmarkt, was zum Versorgungssicherheitsproblem werden kann.

Zum Abschluss dieses Abschnitts reflektierte Sylvia Mayer (BMI/Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung) die Ergebnisse und die Diskussion. Sie sprach dabei die gute Zusammenarbeit innerhalb der Kritischen Infrastruktur in Österreich an sowie die starke Vernetzung mit Hochschulen hinsichtlich Ausbildung und Forschungskooperationen.

Ausbildung als ein Mittel, Sicherheitsberufe attraktiver zu machen und Qualität des Berufs zu steigern

Der zweite Teil der Konferenz begann mit einem Einblick in die Herausforderungen für die Sicherheitsbranche in Deutschland zu Ausbildung, Arbeitsmarkt und Regulierung durch Berthold Stoppelkamp vom Bundesverband der Sicherheitswirtschaft. Die Branche verzeichnet auch in Deutschland großen Personalbedarf und bildet daher seit nahezu 20 Jahren Fachkräfte in einem Lehrberuf aus. Aktuelle politische Erwartungen liegen in einem (neuen) Sicherheitsdienstleistungsgesetz, das die vorige Regierung geplant hatte.

Claudia Körmer präsentierte die drei Curricula-Entwürfe und die weiteren Ergebnisse des Projekts „AQUS II“ und leitete damit die Fachdiskussion unter dem Titel „Sicherheitsbranche: Anforderungen am Markt und Erwartungen an Qualifikation“ ein. Hier diskutierten Michaela Eisold-Pernthaller (Bildungszentrum Sicherheit), Alexander Hölbl (BMDW), Martin Sobotka (AMS Wien) und Ursula Woditschka (vida) Möglichkeiten zur Implementierung derartiger Ausbildungen und weitere mögliche Herausforderungen für private Sicherheit im Allgemeinen – von der Digitalisierung über Berufsperspektiven bis zur notwendigen höheren gesellschaftlichen Wertschätzung für alle, die in diesem Berufsfeld tätig sind.

AQUS II: Projektverlauf und Konsortium

Aufbauend auf die Ergebnisse des Vorprojekts „AQUS (I)“ aus 2017/18 wurden in AQUS II ab Oktober 2020 Anforderungen unterschiedlicher Stakeholdergruppen sowie Faktoren erforscht, die die Umsetzung einer verpflichtenden Aus- und Weiterbildung und entsprechender Berufsbilder hemmen oder fördern. Das Projektkonsortium bestand neben FH Campus Wien, Verband Akademischer Sicherheitsberater Österreichs sowie Donau Universität Krems aus BMI, BMLV, BMDW, BMK, Parlamentsdirektion, Gewerkschaft vida, Verband der Sicherheitsunternehmen Österreichs, Wiener Gesundheitsverbund und Wiener Linien. Darüber hinaus waren die ÖBB, das Competence Center Event Safety Management sowie der Fachverband der gewerblichen Dienstleister der Wirtschaftskammer Österreich als assoziierte Partner eingebunden. Lockdown-bedingt fand ein Großteil der Projektarbeit digital und remote statt. Zum Einsatz kamen neben Literaturrecherchen eine Reihe von Interviews und Fokusgruppen, mehrstufige Online-Diskussionsprozesse und zwei Umfragen. Schließlich wurden drei Curricula im Detail ausgearbeitet, erneut mit den Stakeholdern abgeglichen und validiert:

  • „Curriculum A“ für eine 2-tägige Schulung für (gelegentlich) Beschäftigte bei Veranstaltungen;
  • „Curriculum B“ für einen möglichen Lehrgang für Sicherheitspersonal in der Kritischen Infrastruktur;
  • „Curriculum C“ umfasst Inputs für einen möglichen „Lehrberuf Sicherheit“ (Arbeitstitel).

Weiters wurden Roadmaps zur Umsetzung der Vorschläge und eine Auflistung von Umfeldfaktoren ausgearbeitet. Die Projektergebnisse sollen einen aktuellen fachlichen Beitrag für künftige Diskussionen leisten. Hier finden Sie die Publikation als Download (PDF).

Bis Ende 2021 laufen im Projekt noch abschließende Arbeiten. Das Projekt wird innerhalb des Sicherheitsforschungs-Förderprogramms KIRAS durch das Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus (BMLRT) gefördert.

 

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