News vom 18.05.2022

Biomedizinische Analytiker*innen im OP-Saal

Epileptische Erkrankungen oder neurochirurgische Operationen benötigen unter anderem ein engmaschiges neurophysiologisches Monitoring, das Biomedizinische Analytiker*innen durchführen. 80 Studierende des Bachelorstudiums blickten in einem Seminar der MedUni Wien / AKH Wien in die Funktionsdiagnostik an der Universitätsklinik für Neurologie sowie in Abläufe der OP-Säle der Neurochirurgie.

Person ist in Intensivstation im OP-Bereich

Wenn der Körper krampft

Einer von zehn Menschen hat während seines Lebens einen epileptischen Anfall. Kurzzeitige Funktionsstörungen im Gehirn, bei denen sich Nervenzellen in extremer Form elektrisch entladen, lösen epileptische Anfälle aus. Diese können sehr unterschiedlich aussehen, von einem leichten Zucken einzelner Muskeln bis, so der schlimmste Fall, hin zu einem unkontrollierten Krampfanfall des ganzen Körpers oder sogar zur Bewusstlosigkeit.

Durch Monitoring zur richtigen Diagnose und Therapie

Ein Epilepsie-Monitoring während der Anfälle unterstützt, die richtige Diagnose und Therapie zu finden und ermöglicht, epileptische Anfälle von anderen Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen wie Herzrhythmusstörungen zu unterscheiden. Im Seminar bekamen die Studierenden der FH Campus Wien von Ärzt*innen und Biomedizinischen Analytiker*innen der Universitätskliniken der MedUni Wien / AKH Wien Einblick in das medizinische Fachgebiet der Epileptologie und in das Epilepsiemonitoring. Denn Biomedizinische Analytiker*innen haben in der neurologischen Funktionsdiagnostik, also der systematischen Überprüfung von Muskeln, Nerven, Rückenmark und Gehirn mit diagnostischen Verfahren, eine wichtige Rolle. Durch spezielle Untersuchungen können andere Erkrankungen mit ähnlichen Beschwerden ausgeschlossen werden. Mittels EEG, das die elektrische Aktivität des Gehirns misst und zeigt, kann beispielsweise abgeklärt werden, ob die Ursache kardiologisch oder neurologisch ist. Mit einem VEEG-Monitoring, das ist ein Video EEG, ist es möglich, die Art des Anfalls zu bestimmen und den Bereich im Gehirn zu lokalisieren, in dem dieser beginnt. Anfälle können so mithilfe dieser Untersuchungen klassifiziert, lokalisiert und Medikamente gegebenenfalls angepasst werden.

Vielseitiger Job: Vom Labor in den OP-Saal

In der Universitätsklinik für Neurochirurgie in Wien, die zu den größten und modernsten Kliniken in ganz Österreich zählt, werden jährlich rund 2.000 operative Eingriffe vorgenommen. Im Seminar gaben die Ärzt*innen und Biomedizinischen Analytiker*innen den Studierenden auch fachliches Wissen zu Hirnoperationen, Hirntumoren und deren Entfernung mit. Denn bei solchen Operationen ist eine intraoperative, d.h. während der Operation, neurologische Funktionsdiagnostik erforderlich, die Biomedizinische Analytiker*innen übernehmen. Die Vortragenden sprachen über Indikationen für operative Eingriffe sowie Diagnosen und Heilungsaussichten. Anhand von Videos zeigten die Neurochirug*innen Operationen am Gehirn, OP-Abläufe oder wie die Liege- und Sitzposition der Patient*innen die Operationen beeinflussen. Sie betonten vor allem die Notwendigkeit und Wichtigkeit von Biomedizinischen Analytiker*innen im OP-Saal und erklärten den Studierenden Schritt für Schritt den Ablauf eines intraoperativen Neuromonitorings.

Biomedizinische Analytiker*innen übernehmen Neurophysiologisches Monitoring

Durch Beobachtung der neurophysiologischen Aktivitäten von Nerven können die Nervenbahnen während eines operativen Eingriffs überwacht werden. Biomedizinische Analytiker*innen führen diese wichtige Aufgabe der Funktionsüberwachung während einer Operation durch. Sie erkennen, lokalisieren, dokumentieren und melden Änderungen wie plötzliche Veschlechterungen und nehmen so eine bedeutsame Rolle im OP-Team ein. „Die Beispiele aus den OP-Abläufen haben ganz klar gezeigt, dass das Arbeiten im Team sowohl im Labor als auch im OP unumgänglich ist, denn jede*r hat eine bestimmte Aufgabe und Funktion“, so ein teilnehmender Studierender, „mir ist nun bewusst, wie eng in diesem Bereich der Kontakt zwischen Ärzt*innen und Biomedizinischen Analytiker*innen ist, um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten.“ Eine weitere Studierende im Bachelorstudium Biomedizinische Analytik ist begeistert: „Die Vorträge zeigten wie abwechslungsreich unser Beruf sein kann. Als Biomedizinische Analytiker*in habe ich ein hohes Maß an Verantwortung und in diesem Bereich viel Patient*innenkontakt.“

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