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Andrea Schiefthaler zur Patient*innensicherheit am Point of Care

Andrea Schiefthaler, MA, arbeitet im Qualitätsmanagement am Klinikum Klagenfurt am Wörthersee, das zur Landeskrankenanstalten-Betriebsgesellschaft - KABEG - gehört und unterrichtet Qualitätsmanagement im Bachelorstudium Biomedizinische Analytik.

Ein hochaktuelles Thema in der Laboratoriumsdiagnostik ist die Qualitätssicherung in der patient*innennahen Sofortdiagnostik, Point-of-Care-Testing "POCT". Das sind Untersuchungen, die mithilfe spezieller Analysegeräte dort durchgeführt werden, wo sich Patient oder Patientin gerade aufhalten, auf der Pflege- oder Intensivstation im Krankenhaus, in einer Ambulanz, in der ärztlichen Ordination, in einer Pflegeeinrichtung. Auf Basis der ermittelten Laborwerte können dann unmittelbar therapeutische Maßnahmen gesetzt werden.

Welche aktuellen Entwicklungen gibt es im Bereich der patient*innennahe Sofortdiagnostik, Point-of-Care-Testing, kurz "POCT"?

"Im Rahmen der aktuellen Gesundheitsreform ist eines der Rahmengesundheitsziele 'Qualitativ hochstehende und effiziente Gesundheitsversorgung für alle nachhaltig sicherzustellen'. Das bedeutet unter anderem, die Medizin in die Nähe der Patien*innen zu rücken und Untersuchungen möglichst nahe an Patient*innen durchzuführen. POCT Geräte werden österreichweit in Krankenhäusern und im niedergelassenen Bereich bereits verwendet. Die Entwicklung geht in die Richtung, POCT vor allem aus Gründen der Qualitätssicherung und damit für die Patient*innensicherheit vom Labor z.B. unter der Leitung von Biomedizinischen Analytiker*innen zu steuern, um so einheitliche Qualitätsstandards zu gewährleisten.

Was bedeutet POCT für die Patient*innensicherheit?

Die Patient*innensicherheit ist eine große Herausforderung beim Point-of-Care-Testing und hängt unmittelbar mit der Qualitätssicherung zusammen. Vor allem die Patient*innenidentifikation und die Dokumentation der Patient*innenergebnisse muss für die Patient*innensicherheit durchgehend und nachvollziehbar geregelt sein - zehn Jahre für ambulante Leistungen und dreißig Jahre im stationären Bereich. In vielen Krankenhäusern gibt es bereits Identifikationsarmbänder für Patient*innen, um Verwechslungen zu vermeiden. Speziell für den Bereich des POCT gibt es Normen, die Qualitätsmerkmale und Anforderungen regeln. In größeren Organisationen braucht es ein Lenkungsgremium, ein POCT-Konzept, das die Art, Anzahl, der Geräte und deren Vernetzung und Anbindung an das Laborinformationssystem (LIS) und an das Krankenhausinformationssystem (KIS), das Dokumentationsmanagement, die Qualitätskontrollen und die Rolle des oder der POCT-Koordinator*in definiert. Qualitätssicherung, zu der auch regelmäßige Kontrollen der Geräte gehören, Beratungen und Schulungen sind jedoch nicht nur in Krankenhäusern, sondern auch in anderen Bereichen wie in Arztpraxen oder beim Patient Self Testing zu Hause essentiell, um Therapien sicherer und effektiver machen.

Worin sehen Sie persönlich das größte Risiko, worin das größte Potenzial?

Ein großes Risiko besteht darin, dass die Compliance bei POCT-Nutzer*innen, also die Regelbefolgung im Rahmen der Qualitätssicherung zu gering ist. Das liegt vor allem daran, dass die Analyse nicht deren Kernkompetenz ist, sondern die der Biomedizinischen Analytiker*innen. Deshalb sind Schulungen und Weiterbildung so wichtig. Und auch wenn die POCT-Geräte hinsichtlich der Sensitivität und Spezifität ständig weiterentwickelt werden, kommen sie noch nicht an den Reifegrad von hoch spezialisierten Laborgeräten heran. Damit bleibt ein erhöhtes Risiko ungenauer oder falscher Resultate. Das spielt bei der Entscheidung, ob POCT bei einer konkreten Untersuchung Sinn macht, genauso eine Rolle wie die Kosten, die deutlich höher liegen als jene einer vergleichbaren Laboruntersuchung. POCT kommt daher bei einer einfacheren Untersuchung wie Blutzuckermessungen eher zur Anwendung als im Fall einer Spezialanalytik. Für den oder die Einzelne sehe ich die große Chance, sich als Biomedizinische AnalytikerIn beruflich zur POCT-Koordinator*in weiterzuentwickeln und gerade in Krankenhäusern verantwortungsvolle Positionen zu übernehmen. Ein umfassende Ausbildung zu dem Thema würde ich mir wünschen.


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