News vom 26.04.2021

Sprachfehler richtig erkennen? Logo!

Wie bekannt sind Sprachentwicklungsstörungen und wer behandelt sie? Studierende der Logopädie – Phoniatrie – Audiologie untersuchten im Rahmen ihres Bachelorstudiums mit einer Befragung den Bekanntheitsgrad von Logopäd*innen.

Eine Logopädin sitzt mit einem Jungen auf dem Boden. Er hat einen Spiegel vor sich und macht gemeinsam mit der Logopädin eine Sprechübung

Wenn das Krokodil ein Dododil ist

Wenn Kinder Schwierigkeiten haben, mit dem Sprechen zu beginnen, fällt das oftmals nicht sofort auf. Denn der „Loller“, die „Rutse“ und das „Dododil“ klingen bei kleinen Kindern zunächst eher niedlich als bedenklich. Kinder können einen geringen Wortschatz oder Schwierigkeiten, Gesagtes zu verstehen, sehr gut ausgleichen. Sie achten dabei auf die Situation, das Gesicht oder die Körperhaltung des Gegenübers und reagieren dementsprechend. Was ist aber mit Kindern, die aus einem holprigen Sprach- und Sprechbeginn nicht herauswachsen und tatsächlich Hilfe benötigen? Wer kann das erkennen und vor allem zielführend und spielerisch therapieren? Diesen Fragen sind Studierende der FH Campus Wien im Bachelorstudium Logopädie – Phoniatrie – Audiologie mit einer Befragung von 100 Personen nachgegangen.

Zur Sprache bringen

Auf die Frage, wer Sprachentwicklungsstörungen bei Kindern feststellen kann, wurden die beiden Fachbereiche Psychologie (27%) und Pädagogik (24%) zweimal so oft genannt wie die der Logopädie (12%). Diese liegt zwar knapp vor Ärzt*innen (10%), aber auch weit hinter der Berufsgruppe der Gesundheits- und Krankenpflege, die 20% der Befragten als Berufsgruppe angab, die Aussprachestörungen erkennt. Das könnte daran liegen, dass manchen weder die Berufsfelder der Logopäd*innen noch der Begriff einer Sprachentwicklungs- oder einer Aussprachestörung bekannt sind.

Hörensagen auf dem Prüfstand

Dies verdeutlichen die Antworten auf die Frage, welche der Begriffe „Autismus“, „ADHS“, „Dyslexie“ und „Aussprachestörung“ geläufig sind. Am bekanntesten war unter den Befragten Autismus, also Entwicklungsstörungen, die sich z.B. auf die Wahrnehmungsverarbeitung und so auch auf die Kommunikation auswirken können. Den Begriff haben knapp ein Drittel (30%) schon einmal gehört. Am zweitbekanntesten war Dyslexie (27%), das sind Probleme mit Lese- und Rechtschreib-Fertigkeiten, gefolgt von ADHS (25%), eine Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung. Aussprachestörungen wie eine Fehlbildung der S-Laute, also ein "Lispeln“, haben nur 19% der Befragten schon einmal gehört. Insgesamt lässt sich festhalten: Keiner der gefragten Begriffe war mehr als einem Drittel der Umfrage-Teilnehmenden bekannt.

Die richtigen Ansprechpartner*innen

Sprache und Sprechen sind Grundlagen menschlicher Kommunikation und Kerngebiet von Logopäd*innen, die zu den medizinisch-therapeutischen Berufen gehören. Sie diagnostizieren und therapieren Beeinträchtigungen der Sprache, der Stimme, des Sprechens und des Schluckens. Ebenso fallen die Folgen einer Hörbeeinträchtigung in das logopädische Aufgabengebiet. Logopäd*innen arbeiten mit Menschen aller Altersgruppen und sind daher auch die richtige Anlaufstelle bei Unsicherheiten zur Sprachentwicklung bei Kindern. Sie können helfen sowohl die Aussprache als auch die Lautverarbeitung und somit Schriftsprache und Grammatik, korrekt zu erwerben und anzuwenden. Logopäd*innen arbeiten zum Beispiel in der freien Praxis, aber auch im Angestelltenverhältnis. Der Großteil der Stellen findet sich in Krankenhäusern, Rehabilitationszentren und Ambulatorien. Allerdings wären auch fixe logopädische Anstellungen in Schulen und Kindergärten eine sinnvolle und leicht zugängliche Möglichkeit, Sprachentwicklungsstörungen und deren Auswirkungen bei Kindern früh zu erkennen und zu behandeln. Das könnte dazu beitragen, dass die Arbeitsschwerpunkte von Logopäd*innen an Bekanntheit gewinnen. Niedergelassene Logopäd*innen sind selbstverständlich auch dann die richtigen Ansprechpersonen, wenn man sich nicht sicher ist, ob ihre Leistungen benötigt werden.

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