News vom 30.03.2021

Erster Sammelband der ogsa zur Migration in Österreich

Im Sammelband „Soziale Arbeit in der Postmigrationsgesellschaft. Kritische Perspektiven und Praxisbeispiele aus Österreich“ wird eine Auswahl an Themen vorgestellt, die für die Soziale Arbeit in einer von Migration geprägten Gesellschaft relevant sind. Im Mittelpunkt stehen dabei ein kritischer Umgang mit und die Suche nach emanzipatorischen Konzepten für einen konstruktiven Umgang mit Pluralität in der österreichischen Gesellschaft.

Buch Sozale Arbeit in der Postmigrationsgesellschaft


Zu dem Thema Migration und Soziale Arbeit gibt es bereits viele Publikationen, allerdings beziehen sich die allermeisten davon auf Deutschland. Das hat die AG Migrationsgesellschaft der ogsa, der österreichischen Gesellschaft für Soziale Arbeit, dazu inspiriert, einen Sammelband herauszugeben, der die Spezifika im österreichischen Kontext aufgreift. Das Team der acht Herausgeber*innen ist an Fachhochschulen in fünf verschiedenen österreichischen Bundesländern tätig. Darin sind von der FH Campus Wien vertreten: Manuela Hofer, Irene Messinger, Tina Füchslbauer und Anne Kühne, allesamt Lehrende am Bachelor Soziale Arbeit. „Unser hoher Anspruch war, ein Grundlagenwerk zu schaffen mit einerseits kritischen theoretischen Perspektiven und andererseits ebensolchen Praxisbeispielen, weil wir davon ausgehen, dass dieses Zusammendenken, dieser Dialog, für Lehre, Forschung und Praxis der Sozialen Arbeit relevant ist.“ erklärten die Herausgeber*innen bei der Buchpräsentation, die am 22.03.2021 online im Rahmen der ogsa Tagung stattfand.

Tandems aus Theorie und Praxis

Das Konzept dieses Bandes folgt dem Motto „Es gibt nichts Praktischeres als eine gute Theorie.“ In Autor*innen-Tandems sind Texte zu zentralen theoretischen Ansätzen mit einem Text verknüpft, der exemplarisch Möglichkeiten der Übersetzung dieser Ansätze in die Praxis der Sozialen Arbeit aufzeigt. „Damit wollen wir sichtbar machen, dass sich Theorie und Praxis nicht voneinander trennen lassen, sondern immer miteinander verbunden und aufeinander bezogen sind.“ betonte Mitherausgeberin Irene Messinger. Die Tandems greifen Themen wie Differenz und Macht, Rassismus, Postkolonialität, Intersektionalität, Empowerment, Social Justice, Border Struggles und Critical Citizenship auf.

Soziale Arbeit in der (Post-)Migrationsgesellschaft

Im aktuellen gesellschaftspolitischen Diskurs werden Ängste, Hass und Ressentiments gegenüber Migrant*innen geschürt. „Sie werden als defizitär wahrgenommen, zum sozialen Problem erklärt und erscheinen damit schon per se der Sozialen Arbeit bedürftig“, heben die Herausgeber*innen hervor.  Soziale Arbeit in der (Post-)Migrationsgesellschaft lässt sich nicht als „Arbeit mit Migrant*innen“ übersetzen bzw. mit denjenigen Menschen, denen dieses Label angeheftet wird. Das Präfix „Post“ im Postmigrantischen bedeutet kein „Danach“ im zeitlichen Sinn von beispielsweise „nach der Gastarbeit“, sondern es geht darum, das Migrantische als gesellschaftlich etablierte Unterscheidungskategorie hinter sich zu lassen bzw. aufzuzeigen, dass damit gesellschaftlichen Ungleichheitsverhältnisse geschaffen werden. Das Postmigrantische zeigt damit auf, dass politisch versäumt wurde, die gesellschaftliche Realität anzuerkennen, nämlich eine Gesellschaft zu sein, die in verschiedener Weise von Menschen geprägt ist, deren Erfahrungen, Identitäten und Prägungen unendlich vielfältig sind.

Menschenrechte als Grundlage Sozialer Arbeit

Das Auftreten gegen soziale Ungleichheit ist ein wesentlicher Teil der Profession Sozialer Arbeit. Da migrantisch markierte Menschen in vielen Fällen strukturell benachteiligt sind und rassistische Diskriminierung erfahren, muss Soziale Arbeit in ihrem Anspruch als Menschenrechts- und Gerechtigkeitsprofession Stellung beziehen. „Es ist uns ein Anliegen, migrationsgesellschaftliche Themen stärker in sozialarbeiterische Debatten einzubringen und zunehmend (rassismus-)kritische Auseinandersetzungen zu fördern“ betont Manuela Hofer.  Soziale Arbeit in der österreichischen (Post-)Migrationsgesellschaft ist also gefordert, die mit Migration verbundenen Phänomene in ihren theoretischen Grundannahmen, institutionellen Strukturen und Angeboten sowie in potentiellen Handlungsfeldern zu reflektieren. Der Sammelband will dazu einen Beitrag leisten.

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