Der Pilz als Baustoff

Einen 100 % biologisch abbaubaren Baustoff aus Pilz weiterzuentwickeln, war Thema der Diplomarbeit von Henriette Fischer an der TU Wien. Die wissenschaftliche Mitarbeiterin im Studium Architektur – Green Building an der FH Campus Wien wurde dafür nachträglich von „BauNetz“ für ihr Projekt „Mush Room“ mit dem Architektenpreis ausgezeichnet.

Henriette Fischer
Henriette Fischer

Frau Fischer, was hat Sie dazu veranlasst, ausgerechnet den Pilz als Baustoff zu erforschen?

Kein Industriezweig benötigt mehr Energie und Ressourcen als das Bauwesen. Angesichts von Ressourcenknappheit und Klimawandel besteht hier enormer Handlungsbedarf. Gerade im Materialsektor gibt es noch viel Spielraum, um ökologisch nachhaltiger und ressourcenschonender zu bauen. Im Zuge meiner Diplomarbeit war ich deshalb auf der Suche nach einem Material, das in einen geschlossenen Wertschöpfungskreislauf eingegliedert werden kann und keinen Abfall produziert. Dabei kamen vor allem nachwachsende Rohstoffe in Frage.

Wie dürfen wir uns die Forschung in diesem Bereich vorstellen?

Im Rahmen meiner Diplomarbeit entwickelte ich einen Baustoff aus Pilzwerkstoff weiter. Ziel war es, das Material konstruktiv für den Entwurf eines temporären Pavillons einzusetzen. Ich realisierte einen Prototyp im Maßstab 1:2, der komplett biologisch abbaubar ist, da er ausschließlich aus Pilz, Holz und Baumwolle besteht.

Pilz als Baustoff
Pilz als Baustoff

Was ist das Besondere an „Myzel“?

Myzel stellt biologisch gesehen das Fadengeflecht von Pilzen in der Erde dar. Wird es unter geeigneten Bedingungen mit einem Substrat und Wasser zusammengebracht, entsteht ein Kompositmaterial mit einer großen Spanne unterschiedlicher Charakteristika. Das Myzel verhält sich wie ein biologischer Leim und bindet das Substrat – in diesem Falle Holzspäne und Baumwolle. Das gewachsene Material ähnelt in Dämmeigenschaften und Konsistenz Kunststoffen wie Polystyrol, ist jedoch im Gegensatz dazu zu 100 % biologisch abbaubar.

Wie ging es nach Ihrer Diplomarbeit weiter?

Im April 2018 präsentierte ich meine Forschungsergebnisse beim Forschungsforum der österreichischen Fachhochschulen. Hier an der Fachhochschule arbeite ich im Studium Architektur – Green Building, wo das nachhaltige Bauen an erster Stelle steht. Mein Forschungsschwerpunkt widmet sich dabei Nachhaltigkeitsstrategen in der Architektur und Baukonstruktionen aus nachwachsenden und rezyklierbaren Baumaterialien. Ab diesem Herbst halte ich dazu auch die Vorlesung „Innovative Baumaterialien“.


Studiengänge

Architektur - Green Building

Bachelorstudium, Vollzeit

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Architektur - Green Building

Masterstudium, Vollzeit

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