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11.06.2019

Spirituelle Dimension Erfolgsfaktor in der Palliative Care

Andreas Heller, Leiter der Abteilung Public Care an der Karl-Franzens-Universität Graz und Buchautor, beleuchtet die Wichtigkeit der "spiritual needs" bei einer Campus Lecture über Palliative Care.

Andreas Heller bei der Campus Lecture

Andreas Heller bei seinem Vortrag im Rahmen der Campus Lecture "Spiritual Care im Kontext von Palliative Care am 5. Juni 2019, © FH Campus Wien/Sabine Schweiger

 

Für die WHO gehört zur Palliative Care, zur ganzheitlichen Betreuung schwerstkranker Patienten, die „Vorbeugung und Linderung von Leiden durch frühzeitiges Erkennen, Einschätzung und Behandlung von Schmerzen sowie anderen belastenden Beschwerden körperlicher, psychosozialer und spiritueller Art“. Alle Maßnahmen sollen die Leiden lindern und den Patient*innen bestmögliche Lebensqualität bis zum Ende verschaffen und auch die Angehörigen unterstützen.

Total Pain-Konzept sieht Schmerz in all seinen Dimensionen

Ausgehend von dieser Definition stellte Andreas Helller in seinem Vortrag die spirituelle Dimension im Kontext von Palliativ Care in den Fokus und erklärte dies am Beispiel des „Total Pain“-Konzepts von Cicely Saunders. „Total pain“ beschreibt Schmerz als etwas, das alle Dimensionen menschlichen Seins umfasst. Dazu zählen neben physischen und psychischen Schmerz auch sozialer Schmerz, beispielsweise Scham oder Abhängigkeit, genauso gehört zur ganzheiltichen Betrachtung auch spiritueller Schmerz,  wie etwa ungelöste Probleme, Schuld, Sühnegedanken.

Kommunikation im Mittelpunkt von Spiritual Care

Essentiell für Spiritual Care ist die Kommunikation zwischen Erkrankten und Pflegenden. „Fragen wie: ‚Erzählen Sie mir von Ihrem Schmerz‘ ist ein ausgezeichnetes Assessment, in Beziehung mit Patient*innen zu treten", so Heller. Patient*innen selbst erzählen zu lassen manifestiert einen wesentlichen Grundstein im Hospizgedanken. Gesundheits- und Krankenpfleger*innen begeben sich somit in die Zuhörer*innen-Rolle und es entsteht ein Raum der überraschend sein kann.

Andreas Heller spannte den Bogen bis zum produktiven und funktionalen Schmerz, der sich allgegenwärtig in der Ökobewegung, Menschenrechtsbewegung und Hospizbewegung widerspiegelt. Den sprachlosen Schmerz legte er am Beispiel der Literatur von Ingeborg Bachmann dar.

In der anschließenden Diskussion mit den rund 40 Teilnehmer*innen der Campus Lecture verdeutlichte sich die Wichtigkeit der Kommunikation mit all ihren Facetten: Zuhören, Erzählen, Anerkennen und auch das Mitgefühl stehen im Mittelpunkt.