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25.05.2018

Vor lauter Wald die Bäume nicht sehen – eine Studienreise nach Finnland

Das Thema Holzbau ist im Masterstudiengang Architektur- Green Building fest verankert. Im 3. Semester beschäftigt sich eine eigens konzipierte Lehrveranstaltung mit dem Thema „mehrgeschossiger Holzbau“. Als Vorbereitung auf die Lehrveranstaltung führte die diesjährige Pflichtexkursion nach Finnland, einem der weltweiten Spitzenreiter in Sachen Holzbau.

Masterstudierende vor der Finlandia Halle

 

Dass Nachhaltigkeit in der Architekturausbildung auch in Finnland bereits Einzug in die Curricula gefunden hat, zeigte ein Besuch bei der Metropolia University of Applied Sciences in Helsinki. Als erster Studiengang in Österreich, der den Aspekt der Nachhaltigkeit in der Planung und der Gestaltung von Gebäuden bereits im Bachelor im Curriculum verankert hat, durfte der Studiengang Architektur- Green Building seine Expertise in diesem Bereich mit unseren finnischen KollegInnen teilen. Nach einem erfolgreichen Besuch von 25 Bachelorstudierenden an der FH Campus Wien Mitte April, wurden nun unsere Masterstudierenden willkommen geheißen. Nach kurzen Präsentationen zur Exkursion und zum Thema Holzbau, wurden Unterschiede in der Architekturausbildung zwischen Finnland und Österreich erläutert und künftige Möglichkeiten der Zusammenarbeit besprochen. Wir freuen uns auf künftige gemeinsame Projekte mit finnischen Studierenden und Professoren.

Finnlands Vorreiterposition im Holzbau

Mit einer Fläche von 303.900km2 sind 77% der Gesamtfläche Finnlands mit Wald bedeckt. Würde der Waldbestand auf die EinwohnerInnenzahl aufgeteilt werden, bekäme jede/r Finne/Finnin ein 4ha großes Waldstück. Holz als Baumaterial zu verwenden hat in Finnland eine lange Tradition und ist eine logische Konsequenz aus der dichtbewaldeten Fläche des Landes. Der Forstsektor zählt mit 170.000 Erwerbstätigen zum größten Industriebereich Finnlands. Auch der Wohlstand Finnlands lässt sich größtenteils auf seine Wälder zurückführen.

Die Vielseitigkeit von Holz als Baumaterial

Die Exkursion, die nach Helsinki und Espoo, Vierumäki, Mäntyharju, Jyväskylä und Lahti führte verdeutlichte die finnische Vorreiterfunktion in Sachen Holzbau. Die ausgewählten Projekte zeigten in welcher Bandbreite Holz als Baumaterial zum Einsatz kommen kann. Die Studierenden besuchten die größte Holzproduktion Finnlands Versowood in Vierumäki. Dort wurde das Holz für die Konstruktion der Vihantalsamibrücke, der weltweit größten Schwerlastbrücke aus Holz in Mäntyharju produziert, die ebenso besichtigt wurde. Die Vihantalsamibrücke wurde 1999 fertiggestellt und ersetzte eine Stahlbrücke mit gebundenem Bogen. Um den ästhetischen und technischen Ansprüchen gerecht zu werden wurde ein Wettbewerb organisiert. Das Siegerprojekt überzeugte vor Allem durch einen respektvollen Umgang mit der finnischen Holzbautradition.

In Jyväskylä standen neben dem Alvar Aalto Museum das Wohnhaus Puukuokka und die Kuokkala Kirche vom finnischen Architekturbüro OOPEAA am Programm. Der Puukoukka Housing Block besteht aus 3 Gebäuden mit jeweils 6-8 Geschossen und 50 Wohneinheiten. Insgesamt wurden hier 150 Wohnungen auf einer Gesamtfläche von 10.000m2 geschaffen. Die Gebäude bestehen aus vorgefertigten modularen Elementen aus Brettsperrholz. Eine geringe Anzahl an Fugen sowie geringer Materialverbrauch ist der große Vorteil. Durch den Einsatz von vorgefertigten Modulen konnte die Bauzeit vor Ort auf 6 Monate verkürzt werden. Das Projekt wurde 2015 mit dem Finlandia Preis für Architektur, dem „Wood Award“, dem „Canadian Wood Design“ und dem „Resident Act of the Year“ ausgezeichnet.

Sibeliushalle in Lahti

Die Sibeliushalle in Lahti ist die berühmteste Multifunktionshalle Finnlands und entstand aus einem alten Sägewerk aus dem Jahr 1907. Herzstück der Halle ist die Forest Hall, die als Foyer dient. Als tragender Bauteil dient eine hölzerne Raumkonstruktion, die von neun Holzpfeilern getragen wird. Die dreidimensionale Konstruktion aus Leimholz erinnert an ein „Astwerk“ das die Holzelemente der Decke trägt. In der Mitte der Decke findet sich eine Sternenkarte, welche die Konstellation des 8.12.1856, den Geburtstag von Jean Sibelius, zeigt.