Interview mit Nancy Pelaez

Nancy Pelaez, Professorin für Physiologie aus Indiana, ist im Rahmen des renommierten amerikanischen Fulbright Austauschprogramms für vier Monate an der FH Campus Wien. Zur Halbzeit ihres Aufenthalts spricht sie über ihre Lehr- und Forschungsschwerpunkte, die Arbeit an der FH Campus Wien und ihre Ziele.

Frau Pelaez, warum nehmen Sie am Fulbright Programm teil?

Meine Spezialgebiete sind die Forschung und die darauf aufbauende Lehre. Dabei beschäftige mich im Besonderen mit der Frage, wie man richtig lehrt um Studierende optimal auf ihre Berufslaufbahn in der Forschung vorzubereiten. Wichtig ist mir dabei, dass die Erkenntnisse meiner Arbeit auch international anwendbar sind. Als Drehscheibe des Ostens komme ich in Österreich nicht nur mit einheimischen Studierenden sondern auch mit jenen aus der Slowakei, aus Polen und anderen osteuropäischen Staaten in Kontakt. Dadurch kann ich meine Aktivitäten überregional gestalten und sehe, in welche Richtung ich meine Arbeit lenken muss.

In welchem Forschungsbereich sind Sie tätig und können Sie uns ein Beispiel dafür geben?

Ich bin Physiologin und erforsche den menschlichen Körper anhand von Chemie, Physik und Mathematik. Derzeit dreht sich meine Forschungsarbeit beispielsweise darum, die unterschiedlichen Funktionsweisen von Blutgefäßen in unserem Körper zu erklären. Denn diese Zellen verhalten sich in verschiedenen Geweben in unserem Körper auf beinahe entgegengesetzte Weise. In den Muskeln werden sie bei körperlicher Anstrengung größer, um vermehrt den im Blut befindlichen Sauerstoff und die Glukose aufzunehmen. In den Lungen gibt es hingegen Blutgefäße, die sich verschließen, wenn sie nicht genug Sauerstoff erhalten und somit auch keinen weiteren aufnehmen können. Im Falle einer Infektion ist das ein guter Mechanismus, da der Blutfluss aus Regionen abgezogen wird, in denen die Atemwege blockiert sind und zu gesunden Teilen der Luge gelangt. Bei anderen Krankheiten wie Asthma kann das aber tödlich sein, da zu wenig Blut und Sauerstoff in die Lungen aufgenommen werden kann. Diesen Funktionsweisen auf den Grund zu gehen liefert die Basis für die Entwicklung neuer Medikamente.

Was schätzen Sie, wie viel Prozent des menschlichen Körpers sind eigentlich schon erforscht?

Diese Frage lässt sich schwer beantworten, denn je mehr man forscht, desto mehr fällt uns auf, dass wir eigentlich noch viel zu wenig wissen. Ich vermute, wenn Sie Studierende des Departments fragen, werden sie am Anfang ihrer Ausbildung sagen, es seien ungefähr 50 Prozent und das nach Ende der Ausbildung auf 10 Prozent revidieren. Das Gute daran ist, dass unsere Arbeit sehr zukunftssicher ist, da es immer neue Forschungsaufträge geben wird.

Welche Aufgaben haben Sie derzeit am Department Applied Life Sciences an der FH Campus Wien?

Ich bin hier als Consultant und Mentorin tätig. Mein Bestreben ist es, Studierende sobald wie möglich mit der Forschung in Kontakt zu bringen. Daher habe ich auch ein Projekt initiiert, durch das ich bereits StudentInnen in den Bachelorstudiengängen die Möglichkeit geben will, mit der Forschungsarbeit zu beginnen und die Ergebnisse ihrer Forschung wissenschaftlich zu erklären. In unserem Bereich werden oft visuelle Darstellungsformen wie Bilder oder Grafen verwendet. Dabei sollten gewisse Standards eingehalten werden, um die Forschungsergebnisse nachvollziehbar zu gestalten, beispielsweise Vergleichsbilder, Legenden oder Beschreibungen.

Was schätzen Sie an Ihrem derzeitigen Arbeitsort besonders?

Alle MitarbeiterInnen sind am neuesten Forschungsstand und sehr gut international vernetzt. Besonders ist, dass ForscherInnen gleichzeitig auch in der Lehre tätig sind. Das heißt, sie bringen ihre Erkenntnisse gleich mit in den Vorlesungssaal. Studierende können an Laborexperimenten teilnehmen, bei denen sie die neuesten Forschungsmethoden anwenden. So werden Dinge, die noch nicht einmal in den Lehrbüchern stehen, gleich praxisnah erprobt.

Wie verläuft die Zusammenarbeit mit den Studierenden an der FH Campus Wien?

Wie an meiner Universität in Purdue wird hier jedes Jahr aus den vielen Bewerbungen nur eine gewisse Anzahl an Studierenden zugelassen. Wie schon im Bewerbungsprozess, zeigen diese jungen Leute im Studium ebenfalls besondere Initiative. Das geht so weit, dass sie teilweise auch in ihrer Freizeit mit mir gemeinsam an Forschungsprojekten arbeiten. Das motiviert die Studierenden, sich intensiver mit der Wissenschaft auseinanderzusetzen und fördert gleichzeitig ihr professionelles Fortkommen. Dank Skype und Google Documents können wir hier sogar eine langfristige internationale Zusammenarbeit etablieren. Erste Forschungsergebnisse werden wir bereits kurz nach meiner Rückkehr nach Purdue publizieren.

Frau Pelaez, welche Ziele haben Sie noch für Ihren restlichen Aufenthalt in Wien?

Ich möchte die FH Campus Wien dabei unterstützen, etwas zu entdecken oder zu erforschen, was nicht gefunden werden könnte, wenn ich nicht hier wäre. Ich bin mir noch nicht sicher, was das sein wird, aber wir sind eben ForscherInnen und kennen die Resultate unserer Forschung im Vorhinein nicht.

© Nancy Pelaez

Studiengänge

Molecular Biotechnology

Masterstudium, Vollzeit

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Molekulare Biotechnologie

Bachelorstudium, Vollzeit

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