Auf ein Wort mit Ulrike Alker

In „Auf ein Wort mit…“ werden die ExpertInnen der FH Campus Wien auf die etwas andere Art interviewt: Anstatt auf Fragen zu antworten, erläutern sie Begriffe aus ihrem Fachgebiet und erklären, was sie persönlich damit verbinden.

 

Was verbinden Sie als Gender & Diversity-Expertin mit den Begriffen...

Geschlechterrollen

Frauen sind anders – Männer auch!
Stereotype Vorstellungen von Geschlecht tragen nach wie vor dazu bei, dass Individuen Geschlechterrollen zugeschrieben werden. Daraus resultiert, dass Menschen Rollen einnehmen und Entscheidungen treffen – beispielsweise bei der Studien- oder Berufswahl – die weniger ihren Fähigkeiten und Wünschen entsprechen, als sich eher an gesellschaftlichen Normen orientieren. Sichtbar wird dies am Mangel von Frauen in technischen Berufen und an den wenigen Männern, die in Sozial- und Pflegeberufen tätig sind. Das hat Nachteile für die Gesellschaft: Ein Verzicht auf helle Köpfe bzw. eine Ungleichverteilung bei Pflege- und Betreuungsarbeit, die auch mit großen Einkommensunterschieden zu Lasten von Frauen einhergeht.

Genderkompetenz

...ist in der Erwachsenenbildung essentiell. Sie umfasst unter anderem das Bewusstsein und Wissen darüber, welchen Einfluss Geschlecht in der Gesellschaft hat und welche Einschlüsse und Ausschlüsse es aufgrund von Zugehörigkeit zu bestimmten Geschlechtergruppen gibt. Ein kritischer Blick darauf hat erfahrungsgemäß zur Folge, dass soziale Differenzen zwischen Geschlechtern viel deutlicher wahrgenommen und ungleiche Behandlung deutlich werden. Achtung! Eine politische Haltung als Folge dieser Erkenntnis ist nicht ausgeschlossen!

Soziale Inklusion

Ziel einer öffentlichen Einrichtung im Erwachsenenbildungsbereich muss sein, dass Menschen aus allen gesellschaftlichen Bereichen unter den Studierenden sowie auch den Lehrenden und Mitarbeitenden vertreten sind. Als öffentliche Institution ist die FH Campus Wien verpflichtet, Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten für alle Menschen – unabhängig von Geschlecht, Herkunft, sozialer Schicht, Bildungshintergrund der Eltern, usw. – zugänglich zu machen. Wir fördern die soziale Inklusion, um die Teilhabe an Hochschulbildung für unterschiedliche Personengruppen und Individuen sicherzustellen.

Managing Diversity

Die Strategie Diversity Management zielt darauf ab, dass soziale Vielfalt in einer Institution akzeptiert, gefördert und als Ressource gesehen wird. Mit Vielfalt gut umgehen zu können, setzt das Bewusstsein dafür voraus, dass Menschen unterschiedlich sind – aufgrund von Geschlecht, Herkunft, sexueller Orientierung, Hautfarbe, Alter, Elternschaft, Religion/Weltanschauung, physischen/psychischen Einschränkungen usw. Trotzdem müssen alle dieselben Chancen und Entfaltungsmöglichkeiten in einer Institution haben. An der FH Campus Wien fördern wir die soziale Vielfalt bei unseren heterogenen Studierendengruppen.

Geschlechterfairer Sprachgebrauch

Dazu fällt mir ein, dass 2 Klaviere und 3 Gitarren nicht 5 Klaviere sind – und auch „5 Studenten" nicht nur junge Männer, sondern Studierende aller Geschlechter sind. Ein geschlechterfairer Sprachgebrauch achtet darauf, dass Menschen aller Geschlechter - z.B. Frauen, Männer, Trans*personen - im jeweiligen Kontext genannt werden. Sensible Sprache trägt dazu bei, dass es „Chefinnen, Projektmanagerinnen und IT-Experterinnen" genauso wie „Kindergartenpädagogen, Alleinerzieher und Tagesväter" gibt. Diskriminierungsfreier Sprachgebrauch schließt im Sinne von sozialer Vielfalt nicht nur das Geschlecht ein, sondern auch die Vermeidung von rassistischen, homophoben und anderen abwertenden Formulierungen und Haltungen.

FiT

FiT steht für „Frauen in die Technik" und ist ein Schlagwort für unsere verschiedenen Frauenförderungsaktivitäten an der FH. Wir verfolgen das Ziel, Frauen technische Studien- und Berufsbereiche näher zu bringen. Vor allem gesellschaftliche Bereiche wie Kommunikationstechnik, Verkehr/Mobilität, der IT- und Energiesektor usw. sind männlich dominiert, obwohl Frauen diese Technologien ebenfalls nutzen. Deshalb sollten sie Gestaltungsmöglichkeiten haben und mitbestimmen können, wie sich Technologien entwickeln. Dazu kommt, dass die Einkommens- und Karrierechancen in technischen Berufen meist besser sind, als es in frauendominierten Bereichen der Falls ist. Wir leisten mit der gendersensiblen Berufsorientierung oder der Studienberatung durch Buddys einen Beitrag dazu, dass junge Frauen interessante Technikbereiche kennenlernen, ihre Talente entdecken und Lust auf Mitgestaltung bekommen!

Buddy-Netzwerk

Da Bewerbungsphase und Studienbeginn erfahrungsgemäß viele Fragen aufwerfen, bieten wir an der FH Campus Wien InteressentInnen bzw. BewerberInnen die Möglichkeit, sich mit einer höhersemestrigen Studentin oder einem höhersemestrigen Studenten aus bestimmten technischen Studiengängen zu vernetzen. Durch diese persönliche und individuelle Unterstützung wird BewerberInnen und StudienanfängerInnen der Einstieg ins Studium erleichtert werden. Das Buddy-Netzwerk richtet sich an alle, die sich für ein technisches Studium interessieren und wird derzeit für folgende Studiengänge angeboten:

  • Angewandte Elektronik
  • Clinical Engineering
  • High Tech Manufacturing
  • Informationstechnologien und Telekommunikation
  • Embedded Systems Engineering
  • Health Assisting Engineering
  • High Tech Manufacturing
  • IT-Security
  • Technisches Management
  • Safety & Systems Engineering
  • Green Mobility

Diversitysensible Didaktik

Unsere Studierenden sind keine homogenen Gruppen, sondern bringen unterschiedliche Voraussetzungen mit und lernen individuell und auf unterschiedliche Weise. Diversitysensible Didaktik ist als gute – individuenbezogene – Didaktik zu verstehen: Sie geht auf Unterschiede zwischen Menschen ein, macht unterschiedliche Lernerfahrungen für verschiedene Individuen möglich und schafft Rahmenbedingungen, unter denen vielfältige Menschen gut lernen können.

Gender Salon

Die Gender Salons finden mehrmals im Studienjahr an der FH Campus Wien statt. Bei den Vortragsabenden behandeln ExpertInnen Themen wie Gender Mainstreaming, Diversity Management, Trans- bzw Interkulturalität und Frauenförderung. Ziel ist es, aktuelle Stellungnahmen zu gesellschaftlichen Herausforderungen zur Diskussion zu stellen und den Austausch von Personen in Lehre, Forschung und Praxis zu fördern. Die Gender Salons stehen allen Interessierten sowie allen MitarbeiterInnen, Studierenden und Lehrenden der FH Campus Wien offen.