Österreichischer Verpackungstag 2016

Nachhaltige Verpackungslösungen – Realität oder Utopie?

Verpackung ist nicht Müll

Der Österreichischer Verpackungstag 2016, den der Studiengang Verpackungstechnologie veranstaltete, war ein Get Together der gesamten österreichischen Verpackungswirtschaft, des Handels, der Markenartikler und von VertreterInnen der World Packaging Organisation (WPO). Der ehemalige deutsche Außenminister Joschka Fischer und zahlreiche BranchenvertreterInnen tauschten sich über globale und nationale Dimensionen sowie Trends rund um die Nachhaltigkeit von Verpackungslösungen aus. Mit dabei waren Big Player wie Mondi, die Greiner Group, REWE und Kelly's.

Globale Klimaziele durch Verpackung erreichen

Der Klimawandel und das damit verbundene Klimaziel der CO2-Reduktion zählen zu den wichtigsten globalen Zukunftsfragen. "Die Nahrungsmittelproduktion für einen Durchschnittseuropäer bzw. eine Durchschnittseuropäerin verursacht rund 30 Prozent des CO2-Auststoßes. Die dabei verwendeten Verpackungen verursachen lediglich einen Prozent des weltweiten CO2-Auststoßes", so Manfred Tacker, Studiengangsleiter Verpackungstechnologie. "Mit vermehrter und optimierter Verpackung ließe sich die Nahrungsmittelproduktion effizienter gestalten und der CO2-Auststoß erheblich reduzieren.

Recycling und weniger Gewicht

"Österreich ist Recycling-Weltmeister, wir haben eingeführte Systeme und KonsumentInnen, die sich daran gewöhnt haben", so Rainer Carqueville, Präsident des Österreichischen Instituts für Verpackungswesen. Der gemeinsame Tenor lautete dennoch, dass man sich darauf nicht ausruhen könne. Jüngste Beispiele für einen reduzierten Ressourcenverbrauch sind Leichtglasflaschen oder neue Technologien zur Herstellung geschäumter Kunststoffflaschen mit verringertem Materialeinsatz. Als wichtig wird das Ethical Sourcing eingestuft, etwa die Papierherstellung aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern.

CO2-Reduktion

In der Papierindustrie ist die Reduktion des CO2-Ausstoßes neben Recycling ein zentrales Nachhaltigkeitsthema, wie auch Peter J. Oswald, CEO von Mondi Europe & International feststellte. In der Kunststoffherstellung geht es vor allem um Gewichtsreduktion und Recyclebarkeit der Materialien. Wichtig sei es, so Axel Kühner, Vorstandsvorsitzender der Greiner Holding, das Produkt, um das es eigentlich gehe, besser zu machen und ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass Verpackung Teil der Lösung und nicht das Problem sei. Die KonsumentInnen müssten verstärkt miteinbezogen und überzeugt werden, so auch Tanja Dietrich-Hübner, Leiterin des Ressorts für Umwelt und Nachhaltigkeit von REWE International.

Food Waste bis Food Loss

Beim Verpackungstag zeigten VertreterInnen der World Packaging Organisation aus Indien, Brasilien, Australien, Südafrika und den USA, dass manche Verpackungsthemen weltweit die gleichen, einige jedoch regional sehr spezifisch sind. In Industrieländern geht es um Food Waste beim Konsum und damit zusammenhängend eher um Lösungen des Smart Packaging, in Entwicklungsländern um Food Loss unmittelbar nach der Ernte. Teilweise geht der Trend im asiatischen Raum schon von Loss in Richtung Waste. In Afrika ist die schlechte Infrastruktur bei Verpackungslösungen zu berücksichtigen. Ein wichtiges Thema ist der drohende Verderb von Lebensmitteln. Laut WHO verderben weltweit nach wie vor 40 Prozent aller Lebensmittel auf den Feldern. Das betrifft vor allem auch Afrika.

Erstarkende Mittelschicht in Indien

Indien, die zweitgrößte Volkswirtschaft, steht vor der Herausforderung einer wachsenden Mittelschicht mit zunehmendem Konsumverhalten, einem wachsenden Anteil von Frauen in der Arbeitswelt und dem Trend zur Kleinfamilie. Das wirkt sich auch auf Ernährungsformen und Verpackungsaufkommen aus: Es wird seltener frisch gekocht. Zu den geänderten Konsumgewohnheiten gehört auch ein zunehmender Trend zum Fastfood. Dem gegenüber ist die überwiegend vegetarische Ernährung ein großes Plus in der indischen Gesellschaft, das auch den durch die Nahrungsmittelproduktion verursachten CO2-Ausstoß minimiert.

Nachhaltigkeit ausschlaggebend für Studienwahl

Heimische Verpackungsunternehmen haben den Anstoß zum Studium Verpackungstechnologie gegeben und es mitentwickelt. Eine Befragung unter den BewerberInnen zeigt, dass für 95 Prozent der Nachhaltigkeitsschwerpunkt ausschlaggebend für die Studienwahl war. 40 Prozent davon arbeiten bereits in der Branche. "Wer den Kampf um die besten Köpfe gewinnen will, muss bei Verpackungslösungen schon deshalb auf Nachhaltigkeit setzen", so Studiengangsleiter und Studienautor Manfred Tacker.

Speaker am Verpackungstag 2016:

Globale Perspektive: Nachhaltigkeit und Verpackung
Keynote von Joschka Fischer, Joschka Fischer & Company, Deutscher Außenminister a.D.

Around the world - Drivers of Packaging Development on five continents
Statements by representatives of the World Packaging Organisation (WPO)
> Thomas L. Schneider (CPP), WPO President, US
> Prof. Pierre Pienaar, Vice President Education, Australia
> Dir. Luciana Pellegrino, Vice President Marketing, Brazil
> Prof. Dr. Narayan Saha, Vice President Asian Affairs, India
> Gen. Sec. Alhaji Ahmed A.Omah, Director, Nigeria
> DI Dr. Johannes Bergmair, Vice President Sustainability & Food Safety, Austria

Fokus Österreich: Standortfaktoren für die Verpackungswirtschaft und zukünftige Herausforderungen
Impulsreferat von MMag. Peter J. Oswald, Mondi Europe & International, CEO,
Podiumsdiskussion mit
> MMag. Peter J. Oswald, Mondi Europe & International, CEO
> Mag.a Dr.in Henrietta Egerth, Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft, Geschäftsführung
> Dipl. Betriebsw. (DH) Axel Kühner, Greiner Holding, Vorstandsvorsitzender
> Mag.a Tanja Dietrich-Hübner, REWE International AG, Leitung des Ressorts für Umwelt und Nachhaltigkeit
> Mag. Dr. Wolfgang Hötschl, Kelly GmbH, CEO

Fotos

Impressionen der Veranstaltung finden Sie in unserem

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Das war der Österreichische Verpackungstag 2016

Hier finden Sie einige Eindrücke vom Verpackungstag am 15. November 2016 mit Interviews mit Studiengangsleiter Dr. Manfred Tacker sowie Joschka Fischer und einigen Branchen-VertreterInnen.

Staatspreis Smart Packaging 2016

Direkt im Anschluss an den Verpackungstag fand die Verleihung des Staatspreises Smart Packaging 2016 durch das Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft und das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft statt.

Details zu den Staatspreisträgern 2016


Perspektiventag: „Nachhaltigkeit und Verpackung“ mit Job- und Karrieremesse

Manfred Tacker auf der Bühne beim Perspektiventag

Wie beeinflusst Verpackung globale Zukunftsfragen wie Klimaerwärmung, Ressourcenknappheit und Lebensmittelabfall? Was genau bedeutet "Nachhaltigkeit" im Zusammenhang mit Verpackung? Der Perspektiventag "Nachhaltigkeit und Verpackung" am 17. Oktober 2016 gab Antworten auf diese Fragen. Bei der Veranstaltung konnten sich Studierende, SchülerInnen und die interessierten Öffentlichkeit einen Überblick über die Ausbildungs- und Karrieremöglichkeiten in der Verpackungsbranche verschaffen.

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Studierende der Verpackungstechnologie im Interview

Warum haben Sie sich für dieses Studium entschieden? Was ist das Besondere an Ihrem Studium? Und welchen Berufswunsch möchten Sie sich damit erfüllen? - Unsere Studierenden beantworten diese Fragen und geben Einblick in ihr Studium.

Gefördert durch

Studiengänge

Nachhaltiges Ressourcenmanagement

Bachelorstudium, berufsbegleitend

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Verpackungstechnologie

Bachelorstudium, berufsbegleitend

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