Kunstausstellung Zukunftsgespräche

Kunstausstellung Konflikt - Konkurrenz - Kooperation

Zum Thema der aktuellen Zukunftsgespräche im Mai 2018 „Konflikt und Kooperation“ findet an der FH Campus Wien eine begleitende Ausstellung von neun nationalen und internationalen KünstlerInnen statt. Aus den über 40 Einreichungen zum Open Call der FH Campus Wien gingen drei PreisträgerInnen hervor, die bei den Zukunftsgesprächen geehrt wurden. Die Werke sind bis April 2019 zu sehen.

Die Zukunftsgespräche an der FH Campus Wien

Die Mission der FH Campus Wien ist es, Zukunft mit Bildung zu gestalten. Die Veranstaltungsreihe „Zukunftsgespräche“ der FH Campus Wien greift diesen Anspruch unmittelbar auf. Namhafte Gäste aus dem In- und Ausland diskutieren mit den ExpertInnen der FH über die aktuellen Herausforderungen der Menschheit und die Grenzen, an die man bei deren Lösung bisweilen stößt. Die Zukunftsgespräche suchen nach Ansätzen für die Zukunft und bieten Raum für öffentlichen Diskurs. Die letzte Veranstaltung stand dabei ganz im Zeichen von Kooperationen zur Lösung und Vermeidung von Konflikten.

Warum werden die Zukunftsgespräche künstlerisch begleitet?

Wir luden KünstlerInnen ein, sich mit dem Thema der Zukunftsgespräche auseinanderzusetzen: „Kooperation als Gegenentwurf zu Konkurrenz“. Ist das Konzept der Kooperation der Lösungsweg um Wissenschaft, Gesellschaft, Kultur, Politik und Wirtschaft weiterzuentwickeln? Welches Potenzial steckt in Konflikten?

Gesucht wurden Werke, die diese Fragestellungen um die künstlerische Auseinandersetzung ergänzen und in einen weiteren Kontext setzen. Aus zahlreichen Bewerbungen wählte das KuratorInnenteam ein Œuvre an verschiedensten künstlerischen Positionen aus, die auf die Thematik in unterschiedlichster Weise eingehen und zum Hinschauen und Nachdenken anregen.

Wie wurden die Künstler*innen ausgewählt?

In einem Open Call konnten die Künstler*innen zu beiden Themenaspekten ihre Werke einreichen, oder auch nur einen der Aspekte künstlerisch aufarbeiten. Die Auswahl der Arbeiten traf eine Jury aus profilierten schweizerischen und österreichischen Kurator*innen:

  • Karin Mairitsch, bildende Künstlerin, Co-Präsidentin der visarte zentralschweiz, bis 2016 Vorstandsmitglied der Kunsthalle Luzern
  • Günther Oberhollenzer, Kurator für das neue Kunstmuseum in Krems - der Landesgalerie Niederösterreich
  • Katharina Moser, Galeristin, loft8 kunstraum und Galerie in der Brotfabrik
  • Jutta Garbe, Leiterin Unternehmenskommunikation, FH Campus Wien

Für die prämierten ersten 3 Kunstwerke stellte die FH Campus Wien ein Ankaufsbudget von € 10.000,- zur Verfügung.

KünstlerInnen

Die Ausstellung

Insgesamt entschied sich die Jury für neun KünstlerInnen:

Die KünstlerInnen stammen aus sieben verschiedenen Nationen, was für die Interpretation der Exponate ein Spannungsfeld kulturell unterschiedlicher Zugänge eröffnet, die wir Ihnen hier genauer vorstellen möchten:

Franz Braun (A) - „A Tribute to Young Men“ (Preisträger)

Künstler Franz Braun vor seinem Gemälde

„A Tribute to Young Men“ ist eine sehr realistisch gemalte Szenerie, eine Gruppe junger Menschen in verschiedenen Posen und Gesten innerhalb eines städtischen Settings. Franz Braun (A) hat diese eindrückliche Malerei erschaffen, inspiriert vom „The Who“-Song „Young Mens Blues“. Die Rollen der dargestellten Menschen und ihre Beziehungen zueinander sind vielfältig interpretierbar. Modelle waren StudienkollegInnen des Künstlers an der Angewandten. Gerade die spannungsvolle Dynamik zwischen den ProtagonistInnenn hat uns als Jury beeindruckt, die Klarheit bei gleichzeitiger Rätselhaftigkeit der Komposition und auch die z.T. bedeutungsschweren Posen und Gesten – etwa jene der jungen Frau, die in ihrer Haltung an eine christliche Ikonographie erinnert. Schön umgesetzt ist der Aspekt, dass die jungen Leute als Gruppe aber auch als Einzelpersonen überzeugen, denn jeder Mann, jede Frau ist kompositorisch eingebunden und steht doch auch für sich alleine. Gleichzeitig, so schreibt der Künstler im Begleittext, „sind sie zu Modellen geworden, zu Symbolen und nicht zuletzt zu Vorbildern“. So strahle das Bild ein „stilles Grundvertrauen“ der Jugendlichen aus, Menschen, die sich trotz vieler individueller Unterschiede, Reibungen und Unstimmigkeiten, trotz Enttäuschungen, Missverständnissen und Konfrontationen zueinander in einer tiefen Übereinkunft verbunden fühlen.

Andreas Weber (CH) - „Das Gefangenendilemmakomplex“ (Preisträger)

Block auf Metallplatte

„Das Gefangenendilemmakomplex“ ist eine Arbeit, die sich unmittelbar und konkret mit der thematischen Vorgabe „Konflikt und Kooperation“ auseinander setzt – und zusätzlich auch auf eine partizipative Art und Weise. Basierend auf Robert Axelrods Theorie „Die Evolution der Kooperation“ thematisiert Weber die Frage, wie sich kooperatives Verhalten zwischen Menschen unter gewissen Bedingungen entwickeln und behaupten kann. 
Im Zentrum steht „The Prisoner's Dilemma“, ein Modell aus der Spieltheorie. Das Gefangenendilemma modelliert die Situation zweier Gefangener, die beschuldigt werden, gemeinsam ein Verbrechen begangen zu haben. Die beiden Gefangenen werden einzeln verhört und können nicht miteinander kommunizieren. Leugnen beide das Verbrechen, erhalten beide eine niedrige Strafe, da ihnen nur eine weniger streng bestrafte Tat nachgewiesen werden kann. Gestehen beide, erhalten sie dafür eine hohe Strafe, wegen ihres Geständnisses aber nicht die Höchststrafe. Gesteht jedoch nur einer der beiden Gefangenen, geht dieser als Kronzeuge straffrei aus, während der andere als überführter, aber nicht geständiger Täter die Höchststrafe bekommt.

Das Dilemma besteht nun darin, dass sich jeder Gefangene entscheiden muss, entweder zu leugnen (also mit dem anderen Gefangenen zu kooperieren) oder zu gestehen (also den anderen zu verraten), ohne die Entscheidung des anderen Gefangenen zu kennen. Wenn das „Spiel“ nur einmal gespielt wird, erscheint es für die Gefangenen vorteilhaft, den anderen zu verraten. Anders verhält es sich bei mehrmaligen Spielen ... dann wird erkannt, dass sich Kooperation durchaus lohnen kann. Weber stellt all das in einer Wandarbeit vor und fordert die BesucherInnen dann auf, sich hier aktiv zu beteiligen und Alternativen zum Gefangenendilemma und bessere Bilder für kooperatives Verhalten zu finden. Eine überzeugende Arbeit, die aufgrund der eingereichten Ideen und Vorschläge, die dann auf einer Pinwand zu sehen sind, sich im Laufe der Ausstellung stetig verändern wird und immer wieder zum Mitmachen, Diskutieren und Nachdenken einlädt. 

Faika Ceren Çağlar (TUR) – div. Werke ohne Titel (Preisträgerin)

Faika Ceren Çağlar

Genährt aus Erfahrung und Wissen ist es Privileg und Fähigkeit des Künstlers, der Künstlerin, sich eine eigene Welt zu imaginieren, mit selbst erwähltem Regelwerk und Gesetz – eine Schöpfung, die zugleich zurückstrahlt auf unser Leben und über unsere Existenz erzählt. Faika Ceren Çağlar (TUR) weiß dieses Privileg zu nutzen. Çağlar ist eine Sammlerin. Eine Sammlerin von Bildern, Schriften und Wörtern. Abbildungen und Textzeilen aus unserer multimedialen Gegenwart, vor allem aus Zeitungen und Zeitschriften sind Inspirationsquelle und Arbeitsmaterial für ausdrucksstarke Collagen, die ihre Sicht auf die Welt offenbaren. Dabei kombiniert die Künstlerin Fotos und Wortfragmente mit expressiven malerischen und zeichnerischen Eingriffen und spielt mit den verschiedenen Bedeutungen eines Bildes, eines Wortes und deren kulturellen Codes. In dem kreativ intuitiven Prozess erschafft sie dadurch neue Bedeutungsebenen und Narrative. Die Collage ermögliche es ihr, so die Künstlerin, unterschiedliche Materialien und auch unzählige Geschichten aus dem täglichen Leben auf einer Oberfläche miteinander zu verschränken.


Die überzeugende persönliche Handschrift fasziniert, sowohl handwerklich wie auch inhaltlich, und hier besonders auch ihre künstlerische Fähigkeit, kollektive Bilder und Wörter aus unserer Gegenwart über Collage, Übermalung und zeichnerischen Eingriffe individuell zu interpretieren und neu zu deuten.

Barbara Gwerder (CH) - Sündenbock

Die künstlerische Intervention „Sündenbock“ zeigt fünf Cyanotypien.

Die künstlerische Intervention „Sündenbock“ zeigt fünf Cyanotypien. Handgemalte Negative wurden mit dem historischen Verfahren der Cyanotypie auf Papier projiziert. Um eine Zusammenarbeit zwischen zwei oder mehreren Konfliktparteien zu fördern, sollten keine Schuldigen oder keine Schuld in der Gegenpartei gesucht werden. Um das konfliktfähige Handeln positiv zu beeinflussen und Kooperationen zu bilden ist eine Schuldprojektion, wenn überhaupt nötig, nur auf meine „Sündenböcke“ zu empfehlen. Ganz nach dem Leitsatz: Einfühlungsvermögen statt Schuldzuweisung. Die „Sündenbock“ Werke sind eine Art Trumpfkarte für faire Spielregeln.
Bei Bedarf können die Schuldzuweisungen dem Papierbock übertragen werden. So kann vermieden werden, dass Konfliktbeteiligte zum Sündenbock werden. Schon im alten Testament, am Tag der Sündenvergebung im jüdischen Glauben, hat der Hohepriester einem Ziegenbock die Hand aufgelegt um die Sünden des Volkes auf ihn zu übertragen. Der Bock wurde mit den Sünden in die Wüste getrieben und die Menschen waren von ihren Sünden erlöst.


Die Arbeit „Sündenböcke“ deudet darauf hin, dass mit etwas Humor und Gelassenheit, dem unerfreulichen und betrüblichen Konflikt begegnet werden darf.

Miye Lee (KOR) – ohne Titel

Miye Lee (KOR)

Ihre Malerei, im Besonderen die abstrakten Arbeiten, bestehen auf den ersten Blick aus zufällig angeordneten Farben und Formen. Dieser Eindruck täuscht, die Farb- und Formkompositionen sind sorgfältig aufeinander abgestimmt. Dies entsteht in einem teils spontanen, aber dann immer wieder hinterfragendem und forschendem Prozess, einem stetigen Verhandeln, Abwägen und Prüfen. Je mehr Farben und Formen ins Spiel kommen, desto spannender und „konfliktreicher“ wird das Bild. Auf der Suche nach Harmonie und Gleichgewicht, soll trotzdem eine Spannung im Bild aufrecht gehalten werden. So resultieren viele ihrer abstrakten Bilder aus vielen Schichten von Übermalungen, die den Bildern zusätzlich Tiefe und Raum verleihen.Das Thema „Konflikt, Konkurrenz und Kooperation“ spiegelt sich im Entstehungsprozess ihrer Gemälde wider.

Achim Schroeteler (DE) - Kooperation

Achim Schroeteler (DE) - Titel des Werkes: Kooperation

Nach Vorarbeiten und Recherche entstand Kooperation im Januar 2018 explizit für den Themenkreis der Zukunftsgespräche Konflikt – Konkurrenz – Kooperation. Die Begriffe Konkurrenz und Kooperation bildeten den gedanklichen Hintergrund während des zweimonatigen Malprozesses der neun Bilder des Werks Kooperation. Ausgangspunkt der Malerei waren zelluläre Strukturen, die sich als singuläre Formen zu bildfähigen Form - und Farbkompositionen zusammenschlossen. Farbschichten liegen in Lasurtechnik übereinander, verstärken sich und gewinnen an Intensität. Komplementärkontraste weisen einerseits auf die Kraft der Einzelfarbe, anderseits binden sie gegensätzliche, sich konkurrierende Kräfte in einer manchmal kreischenden Zusammenschau. Die Kooperation als Bildkomposition ist so weiträumig gedacht, dass sie durch Konkurrenz, durch das dem Konflikt inhärente Potenzial, gewinnt. Die Vision der zukünftigen Kooperation als ein Zusammenschluss von gleichberechtigten Einzelphänomenen, äußern sich in den Bildern in einer flirrenden Balance von Formgewichten und Farben. Die Intensivität der Bilder wird gesteigert durch eine Blockhängung.

Daniella Tuzzi (CH) – ohne Titel

Daniella Tuzzi (CH) – ohne Titel

Die fünf Skizzen setzen sich mit dem Thema Kooperation auseinander. Die Bilder sollen dabei Assoziationen auslösen und zu gemeinsamen Gespräche anregen.Mögliche Assoziationen zu den Skizzen:Gemeinsam an einem Strick ziehen / wechselseitig - Seitenwechsel / verbinden, verknüpfen, vernetzen / jede und jeder bringt sein «Ei (seine Brut)» mit / mit der Sache tanzen gehen, usw. Die fünf Skizzen wurden speziell für die Ausstellung auf je eine grundierte Textilie übertragen und dann zeichnerisch/malerisch umgesetzt. Die Textilie wurde nicht auf einen Keilrahmen aufgezogen, sie wurde lose mit Fäden an die Ausstellungswand gehängt, damit der gewobene Stoff (Kettfäden und Schussfäden) an den Rändern sichtbar bleibt, denn das Gewebe kann als Symbol oder Zeichen für den Hergang des Vernetzens gesehen werden.

Azadeh Vaziri (IRN) – Bang Bang u. Krieg

Bang Bang und Krieg - Azadeh Vaziri (IRN)

Azadeh Vaziri bedient sich für ihre Acryl-Malereien an den verführerischen Paletten greller Farben und poppiger Cartoon-Gestalten. Den süßlichen, vordergründigen Fokus stört sie aber jäh durch Attribute der Gewalt und ihrem Hauptthema, des Krieges. Vaziri versorgt Mickey Mouse mit einer Waffe und spielt mit der comichaften Ästhetik von Detonationen. Das größte Augenmerk schafft sie aber, wenn sie diesen harmlosen Darstellungen Kreaturen gegenüberstellt, die zerfurcht und deformiert sind und wenn sie die glatten Oberflächen mit jenen des Makels und des Leids konfrontiert.

Oksana Zmiyevska (UKR) - Das abgebissene Ohr des Schokobären auf der Torte, Morgen hab ich alles wieder vergessen, Zungengegangen

Oksana Zmiyevska (UKR)

Zmiyevskas Bilder bedienen sich aber weder Pathos-Formeln, noch sind sie hoffnungslos. Ihre Arbeiten beinhalten vielmehr tragikomische Elemente, Humor und einige Funken Ironie sind oft sichtbar. Das Kolorit besteht meist aus Pastell, selten setzt sie kräftige Töne ein. Die Farben schneiden die Umrisse der Figuren aus dem Grund heraus und verbinden sie an anderer Stelle wieder mit ihm. Dennoch entscheidet sich Zmiyevska weder für Abstraktion noch für Figuration, sondern setzt beide nebeneinander ein. Ihre Malerei ist auch nie plakativ, die Bilder kommunizieren keine direkten Statements, sie sind vielmehr voll mit subtilen Andeutungen und Ebenen. Übermalung ist ein zentrales Element. Aus den gesetzten Pinselstrichen entstehen wieder Motive. Anderes verschwimmt in Farbschlieren und wird dadurch tief in die Malerei eingebunden. Untere Malschichten scheinen durch, deuten an, sagen aber nichts Konkretes. Etwas bleibt immer verborgen und mysteriös. Gleichzeitig spielt die Malerin mit Nähe und Distanz. Immer ungreifbar, dennoch präsent, befinden sich die Motive im Bild und scheinen augenblicklich im Moment ihres Vergehens oder Flüchtens eingefangen zu sein.


Doch was mit ihnen geschieht bleibt offen. Die Reflexion des Alltags und Umfelds wird in der Malerei auf eine andere Ebene überführt und die zumeist einzelnen Menschen stehen nicht nur als Symbole für Einzelkämpfertum und Freiheit, sondern appellieren besonders an Empathie und Gemeinsamkeit.Hier setzt auch die Kooperation mit den BetrachterInnen ein. Diese sollen die Malereien weiter denken, Symbole, versteckte Hinweise, Übermaltes, Ebenen nach ihrer Interpretation entschlüsseln und so zu KomplizInnen der Künstlerin werden. Möglicherweise erkennen sie sich selbst in den Gemälden – als Migrant/innen, Entwurzelte, Kunstschaffende im Prekariat etc. All diese biographischen Elemente sind auf den ersten Blick nicht ersichtlich und doch subtil in die Arbeiten eingewoben. Zmiyevskas Werke sind ein Aufruf durch Betrachtung und Reflexion mit ihr über mögliche Lösungswege aus der Krise nachzudenken.

Franz Braun nimmt seinen Presi entgegen

Preisträger Franz Braun mit Rektorin Barbara Bittner

Rektorin Barbara Bittner mit Preisträger Andreas Weber

Andreas Weber nimmt seinen Presi entgegen
Faika Ceren Caglar nimmt ihren Preis entgegen

Preisträgerin Faika Ceren Çağlar mit Rektorin Barbara Bittner

Betrachtung des Werks von Faika Ceren Çağlar (TUR) 

Zwei Personen betrachten ein Kunstwerk
Miye Lee

Werk von Miye Lee (KOR) 

„Das Gefangenendilemmakomplex“ von Andreas Weber (CH) 

Gefangenendilemmaparadox
Faika Ceren Caglars WErke

Werke von Faika Ceren Çağlar (TUR)

"Zungengegangen von" Oksana Zmiyevska (UKR) 

zungengegangen

Kunstausstellung: Entgrenzt - magisch. handzahm. vergessen.

magisch. Unbehagen im Wohlstand.
vergessen. Enteignung der Vergangenheit Gegenwart Zukunft.
handzahm. Smart Objects.

Über die Künstlerin

Karin Mairitsch ist bildende Künstlerin, Dozentin, Autorin und Herausgeberin einiger Fachbücher im Bereich Medien, Gesellschaft und Kunst. Sie hat Ausstellungen und Performances im In- und Ausland gemacht.

Geboren1968 in Klagenfurt/Österreich studierte sie Malerei an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Neben ihrer künstlerischen Betätigung war sie von 2011 - 2015 Vizedirektorin für den Bereich Bachelor & Vorkurs an der Hochschule Luzern - Design & Kunst, Vizerektorin der Fachhochschule Salzburg in der Zeit zwischen 2008 und 2011 sowie Studiengangsleiterin am Studiengang MultiMedi­aArt (Bachelor und Master), Fachhochschule Salzburg von 2003 - 2008. Sie lehrte an verschiedenen Hochschulen und war Leiterin medienspezifischer Lehrgänge und Kurse sowie Artdirektorin und Geschäftsführerin bei bekannten Mediaagenturen. Als Vorstandsmitglied der visarte zentralschweiz, bis 2016 auch der Kunsthalle Luzern, engagiert sie sich für die Anliegen Bildender Künstler/innen.

Ausstellung "entgrenzt."

Die Ausstellung "entgrenzt." besteht aus 70 Exponaten und ist in drei Zyklen konzipiert: "magisch. Unbehagen im Wohlstand", "handzahm. Smart Objects" sowie "vergessen. Enteignung der Vergangenheit Gegenwart Zukunft". Die inhaltlichen Setzungen der Zyklen haben die Themenschwerpunkte der im November startenden Zukunftsgespräche der FH Campus Wien aufgegriffen und beschäftigen sich mit Grenzen: jenen des Wohlstands, der Technologieentwicklung sowie jenen zwischen Leben und Tod.
Entgrenzt zeigt die Möglichkeit, dass Grenzen nicht klar konturierte und sich stets in Bewegung befindliche Orte oder Flächen sein könnten. Entgrenzt wirft denn auch die These auf, dass im Kontext der Themenschwerpunkte etwaige ethische, ökologische, gesellschaftliche oder individuelle Grenzziehungen längstens überschritten vielleicht sogar obsolet geworden sind. Entgrenzt möchte provozieren: nicht laut, nicht stark, sondern in Verschiebung nach innen. Im Rahmen der ersten "Zukunftsgespräche: Die Grenzen der Wohlstandsgesellschaft." am 24. November 2016 wird die Ausstellung eröffnet.

Bild: Karin Mairitsch, Foto: Graziella Spitz

Zyklus magisch. Unbehagen im Wohlstand

Der Zyklus "magisch. Unbehagen im Wohlstand" zeigt die Gratwanderung zwischen Wohlergehen und Unbehagen der Wohlstandsgesellschaft. Er beschäftigt sich mit Kehrseiten des Wohlstands rund um Phänomene wie beispielsweise Überfluss, Konsum, Mobilität, Arbeitslosigkeit, Klimawandel, Demokratie, Flucht, Wohnraum oder Sinnsuche.

Ausgeführt sind die Arbeiten als Diptychen: zwei Fotografien stehen einander gegenüber. In der Kombination veranschaulichen sie eine Hintergründigkeit, die mehrere Ebenen in Form von Fragen, Grenzen oder Problemzonen der Wohlstandsgesellschaft anspricht. Die scheinbare Realitätsbezogenheit der Fotografie ist gebrochen, indem Teile des Bildgegenstandes zunächst durch Kratzen entfernt und anschließend mit Acrylübermalungen, Zeichnungen aus Buntstiften, Ölkreiden und/oder Filzstiften wiederum ergänzt wurden. Das Exponat entwirft durch diese Montagen und den im Vordergrund angebrachten Text ein Kernthema, von dem ausgehend die Vielschichtigkeit der Bildaussagen durch die Rezipient/-innen entwickelt werden kann. Der Zyklus ist 2016 und umfasst 15 Exponate. Die digitalen Fotografien sind von Graziella Spitz eigens für diese Ausstellung konzipiert und gefertigt. Sie wurden als Fine Art Print auf 60 x 180 cm ausgedruckt.

Zyklus magisch. online

Zyklus handzahm. Smart Objects.

Der Zyklus "handzahm. smart objects" thematisiert die Heilsversprechen, die die Technologieentwicklung in Aussicht stellt: eine mühelose, zufriedenere und intelligente Welt versprechen uns technologische Neuerungen. Eine Welt, in der wir Zeit sparen, in der uns smarte Objekte zu besserer sozialer Interaktion, weniger physischem Aufwand, mehr Wissen, Sinn und Kreativität sowie zielgerichteter Verwirklichung von Werten zu verhelfen scheinen.

Diese Objekte freilich sind außerdem leicht - ja kinderleicht! - zu bedienen, einfach und selbst erklärend, sind sie. Die künstlerische Auseinandersetzung mit diesem Thema bedient sich einerseits der visuellen Sprache der Technologieentwicklung und verwendet daher icons als zentrale Bildmetaphern. Ihnen zugrunde liegt die expressive Malerei des vierjährigen Lennox, der während einem halben Jahr gemeinsam mit der Künstlerin im Atelier am Zyklus gearbeitet und die farbenfroh, aus Erwachsenensicht abstrakt anmutenden Objekte teils auch so bezeichnet hat, wie sie später als icon repräsentiert wurden. Andererseits verwendet die Künstlerin Textmaterial und zitiert Werbeslogans diverser technologieaffiner Firmen wortwörtlich oder in leicht modifizierter Form. Zusammengenommen ergibt sich eine Text-Bild-Montage, die das vordergründig notwendige und hinterlistig kommunikativ naive Schaubild technologischen Zaubers mit Humor aufgreift und gleichwohl als fast religiös behaftetes Heilsversprechen enttarnt. Die diesjährig entstandenen 30 Exponate sind in Acryl und Gouache auf Papier gefertigt.

Zyklus handzahm. online

Zyklus vergessen. Enteignung der Vergangenheit Gegenwart Zukunft.

Dieser Zyklus beschäftigt sich mit dem Phänomen des Vergessens und fragt, inwiefern Vergessen in unserer Gesellschaft mit einer Enteignung der Persönlichkeit, deren Identität maßgeblich an Erinnerungen und Antizipation gebunden ist, einhergeht. Damit wird eine mögliche Grenzerfahrung zwischen Leben und Tod befragt. Vergisst man sich selbst in seiner Existenz oder im zeitlich-örtlich-sozialen Zusammenhang (bspw. Demenz), ist eine Positionsbestimmung schwierig bis hin zur Frage, ob dieser sich vergessene Mensch näher dem Tod oder dem Leben steht. Mit den Exponaten wird eine Auseinandersetzung angeregt, was über etwaige biologische Faktoren hinaus das Leben oder den Tod definiert.
Der Zyklus besteht aus 27 Exponaten, ist fast durchgehend monochrom in Blau gehalten und auf alten Textilien dargelegt.

Zyklus vergessen. online


Die Zukunftsgespräche an der FH Campus Wien: Vordenken, durchdenken, weiterdenken

Bunte Linien auf weißem Grund

Die Mission der FH Campus Wien ist es, Zukunft mit Bildung zu gestalten. Die Veranstaltungsreihe „Zukunftsgespräche“ der FH Campus Wien greift diesen Anspruch unmittelbar auf. Namhafte Gäste aus dem In- und Ausland diskutieren mit den ExpertInnen der FH über die aktuellen Herausforderungen der Menschheit und die Grenzen, an die man bei deren Lösung bisweilen stößt. Die Zukunftsgespräche suchen nach Ansätzen für die Zukunft und bieten Raum für öffentlichen Diskurs.

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