Zellversuche statt Tierversuche

Im Forschungsfeld Cell Based Test Systems der FH Campus Wien wird an der Entwicklung zellbasierter Testsysteme geforscht: Statt an Tieren können unerwünschte Nebenwirkungen von Medizinprodukten und Medikamenten in Zellversuchen getestet werden.

In der Biomedizin kommen immer komplexere Werkstoffe und Produkte zum Einsatz. Viele dieser Stoffe können bei Menschen negative Reaktionen wie Entzündungen oder Allergien hervorrufen. Zur Bestimmung der negativen Eigenschaften von Medizinprodukten werden immer noch Tierversuche durchgeführt. Seit einigen Jahren gibt es aber auch vermehrt alternative Testmethoden, die Tierversuche bereits jetzt ersetzen können oder das künftig tun werden.

Hand mit Handschuh beim Pippetieren
© Matthias Vonbrüll

Höhere Sensitivität

Einem ForscherInnen-Team der FH Campus Wien ist es kürzlich gelungen, eine besonders sensitive zellbasierte Teststrategie für die Erkennung von Kontaktallergenen zu entwickeln: "Gerade bei stark uneinheitlichen Stoffen wie z.B. Kunststoffen können einzelne negative Komponenten in nur sehr geringer Konzentration vorhanden sein. Dauerhafter Kontakt macht sie trotzdem gefährlich. Dafür braucht es entsprechend sensitive Tests. Einen solchen haben wir im Projekt BioRelation jetzt entwickelt. Das Team ist gerade dabei, den neu entwickelten Test zu standardisieren", sagt Thomas Czerny. Er ist Stiftungsprofessor der Stadt Wien für Cell Based Test Systems an der FH Campus Wien und koordiniert das Projekt BioRelation in Kooperation mit dem Österreichischen Forschungsinstitut für Chemie und Technik (ofi).

Verlässliche Tests

"In den letzten Jahren sind zunehmend mehr alternative Testmethoden entwickelt worden. Viele davon sind aber noch nicht standardisiert bzw. noch nicht sensitiv genug. Wir entwickeln diese Testsysteme weiter, damit sie verlässliche Ergebnisse liefern", so der Molekularbiologe. Die ForscherInnen arbeiten im Projekt an der Verlässlichkeit von zellbasierten Testmethoden. Sie werden eingesetzt, um Reaktionen von Zellen auf ihre Umgebung sichtbar zu machen. Negative Einflüsse können so festgestellt werden.

In vitro testen

Aufbauend auf BioRelation startete im Oktober 2016 das Projekt proTect. Ziel des Projektes ist es, ein In-vitro-Testsystem zu entwickeln, mit dem die Verträglichkeit von Werkstoffen und biomedizinischen Produkten im Reagenzglas getestet werden kann. Gemeinsam mit der Molekularbiologin Ines Swoboda, die an der FH Campus Wien im Forschungsfeld Allergy Research forscht, werden erstmals auch immunologische Aspekte analysiert und näher erforscht. "Unsere Entwicklung wird es ermöglichen, aufwändige, oft fragwürdige Tierversuche, die derzeit zur Einschätzung der Verträglichkeit von Testsubstanzen für Menschen verwendet werden, durch ein verlässliches In-vitro-Testsystem zu ersetzen", so Thomas Czerny.

Die FH forscht im Forschungsfeld Cell Based Test Systems auch im Auftrag von Biotech-Unternehmen. Gemeinsam mit dem ofi unterstützen Thomas Czerny und sein Team Unternehmen bei der Produktentwicklung mit geeigneten Testmethoden, die an der FH entwickelt werden.

Weitere Informationen

Forschungsfeld Cell Based Test Systems

Forschung und Entwicklung an der FH Campus Wien


Das könnte Sie auch interessieren

Ökologisch, ökonomisch und sozial

Escher Dreieck auf Baum

 

Ressourcen, die geschützt werden müssen. Systeme, die langfristig Bestand haben. Gegenwart und Zukunft.

Weiterlesen im Themenschwerpunkt

Nachhaltigkeit im Baubereich

 

Markus Vill ist Bauingenieur und lehrt und forscht an der FH Campus Wien. Aktuell arbeiten er und sein Team an einem Modell zur Bewertung der Tragfähigkeit von bestehenden Straßen- und Eisenbahnbrücken.

Mehr dazu verrät er im Interview

Es geht auch um Komfort

 

Durch ihr Verhalten konterkarieren Menschen die Energieeffizienz von Gebäuden. Das verursacht Mehrkosten und vergeudet Ressourcen. Christian Hölzl und Edmund Spitzenberger von der FH Campus Wien arbeiten an einer Gegenstrategie.

zum Bericht