Kooperation zum Wohl von Kindern und Jugendlichen

Schulsozialarbeit gewinnt seit rund 15 Jahren zunehmend an Bedeutung: in Österreich und auf der ganzen Welt. Im deutschsprachigen Raum gibt es allerdings bis heute keine einheitliche Definition von Schulsozialarbeit und in Österreich fehlt ein definiertes Berufsbild. Die FH Campus Wien forscht im Projekt „Schulsozialarbeit als Profession“ aktuell am Professionalisierungsgrad der österreichischen Schulsozialarbeit. Mit dem Ziel, daraus ein national einheitliches Berufsbild zu entwickeln.

Kinder rennen mit Schultaschen am Gang


Auch wenn es im deutschsprachigen Raum bisher keine einheitliche Definition von Schulsozialarbeit gibt, haben sich in der Praxis dennoch einige gemeinsame Merkmale zur Charakterisierung durchgesetzt: Schulsozialarbeit ist der Kinder- und Jugendhilfe zuzuordnen. Sie wird von sozialarbeiterischen bzw. sozialpädagogischen Fachkräften geleistet und ist ein kontinuierliches Angebot, in dessen Zentrum immer die Kinder und Jugendlichen stehen. Die Zusammenarbeit mit der Schule ist verbindlich. Schulsozialarbeit hat einen eigenständigen Auftrag und ist im Schulsystem gleichberechtigt mit LehrerInnen und anderen Unterstützungsfunktionen. 

Als Beruf etablieren

 „Die Schulsozialarbeit ist Teil eines schulischen Unterstützungssystems und setzt dort an, wo schulpädagogische Kompetenzen nicht mehr ausreichen und medizinische und psychologische Beratung nicht angesagt sind. Konkret geht es darum, die psychosozialen Bedingungen von Kindern und Jugendlichen zu verbessern – sowohl auf der individuellen als auch auf schulischer Ebene“, skizzieren Christine Würfl und Barbara Schörner von der FH Campus Wien den Leistungskatalog von Schulsozialarbeit. Die beiden Forscherinnen analysieren und evaluieren seit 2015 im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung (BMBWF) den Professionalisierungsgrad der Schulsozialarbeit in Österreich und vergleichen ihn international mit ausgewählten Ländern. Ihre Forschungsarbeit soll dazu beitragen, ein einheitliches Berufsbild von Schulsozialarbeit in Österreich zu entwickeln.

Daten schaffen Fakten

„Erste Ergebnisse unserer Forschungsarbeit zeigen, dass die Schulsozialarbeitspraxis in Österreich ihren Leistungsschwerpunkt in der Bearbeitung von und der Unterstützung bei Konflikten, emotionalen Problemen und sozialen Verhaltensproblematiken sieht“, sagt Barbara Schörner. Das Ministerium setzt in diesem Zusammenhang vor allem auf Prävention zur Verringerung von Gewalt, Mobbing, Schulabsentismus und Schulverweigerung. „Kooperation auf unterschiedlichen Ebenen zum Wohl der Kinder und Jugendlichen spielt in der Praxis der Schulsozialarbeit eine erfolgskritische Rolle“, so Christine Würfl. Seit Anfang der 2000er Jahre ist die Schulsozialarbeit in Österreich stark expandiert. In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Zahl der Trägerorganisationen mehr als verdoppelt und es gibt mittlerweile Angebote in allen Bundesländern: allerdings überall andere, weil die österreichische Schulsozialarbeit nicht einheitlich geregelt ist. Sie ist außerdem ganz unterschiedlich ins Schulsystem eingebunden und weil sie überwiegend von der Kinder- und Jugendhilfe und nicht von den Schulen selbst getragen wird, hat sie eine hohe organisatorische Distanz zum Schulsystem. 

Luft nach oben

Im Zuge ihrer Forschungsarbeit haben Schörner und Würfl auch die österreichische Trägerlandschaft analysiert und dabei u.a. herausgefunden, dass die Berufsbezeichnung „SchulsozialarbeiterIn“ mit knapp 75 Prozent unter Fachkräften sehr weit verbreitet ist. Die meisten von ihnen haben einen Bachelorabschluss in Sozialer Arbeit oder einen gleichwertigen Bildungsabschluss. „Was uns in Österreich allerdings fehlt, ist eine facheinschlägige Ausbildung für Schulsozialarbeit. Außerdem mangelt es an spezialisierten Weiterbildungen – das Angebot ist völlig unsystematisch“, so Barbara Schörner. Und wenn es um fachliche Standards für Schulsozialarbeit geht, dann wurden diese bisher überwiegend von den einzelnen Trägerorganisationen ausgearbeitet. Eine Bündelung hat noch nicht stattgefunden, ebenso wie die Ausarbeitung feldspezifischer ethischer Normen und ein bundesweit einheitlicher Qualitätsrahmen noch ausstehen.

Theorie und Praxis

Das Projekt von Christine Würfl und Barbara Schörner läuft noch bis Juni 2018. Die bisherigen Ergebnisse ihrer Forschungsarbeit wurden und werden aber schon jetzt regelmäßig in Workshops oder bei Tagungen und Vernetzungstreffen mit der Praxis rückgekoppelt und diskutiert. Auch vom Ministerium werden sie in den aktuellen Diskussionen zur Entwicklung eines einheitlichen schulischen Unterstützungssystems in ganz Österreich laufend aufgegriffen. Die Forschungsarbeit der FH Campus Wien zeigt, dass die Schulsozialarbeit, seit das BMBWF eine koordinierende Rolle übernommen hat und die Trägerorganisationen einen regen Austausch pflegen, eine beeindruckende Weiterentwicklung gemacht hat. Und die Fachhochschule hat sich in diesem Umfeld bereits als verlässliche und kompetente Kooperationspartnerin für die Schulsozialarbeitspraxis und ihre berufsständischen Vertretungen etabliert.