Interview mit Eveline Prochaska

Eveline Prochaska studierte an der FH Campus Wien Informationstechnologien und Telekommunikation und erzählt, wie man zufällig studiert, Aufnahmeverfahren hinter sich bringt und sich als Mama in einem technischen Studiengang bewährt.

Warum hast du dich für ein Studium an der FH Campus Wien entschieden?

Der Reiz an der FH Campus Wien liegt unter anderem in der Ausstattung des Gebäudes selbst. Die Labore sind allesamt mit neuen Geräten eingerichtet, und das ist gerade bei einem technischen Studium viel wert. Ich weiß es auch besonders zu schätzen, dass ich an der FH einen fixen Laborplatz habe. Ich brauche mir keine Sorgen zu machen, dass sich meine Studienzeit wegen überfüllter Übungsräume verlängert.

Wie bist du darauf gekommen, Informationstechnologien und Telekommunikation zu studieren?

Das war eher Zufall. Ich habe einfach den Vorbereitungslehrgang für technische Studienrichtungen besucht, den die FH im Auftrag des AMS Wien anbietet. Der Lehrgang bereitet arbeitssuchende Frauen auf ein IT-Studium vor. Das Studium an sich ist deshalb für mich so spannend, weil mir die Informationstechnologien gerade in der Verbindung mit Telekommunikation viele Berufsmöglichkeiten bieten.

Welche Ausbildung hast du vorher absolviert?

Ich habe keine Matura, ich bin gelernte Bürokauffrau und technische Zeichnerin. Ich habe an der FH Campus Wien die Studienberechtigungsprüfung absolviert und hatte vorher eher wenig bis gar keinen Kontakt mit dem, was ich heute an der FH mache.

Wie hast du das Aufnahmeverfahren empfunden?

Das Aufnahmeverfahren löst bei vielen extreme Ängste aus. Dann stellen die Bewerberinnen und Bewerber aber fest, dass die Aufnahmeprüfung zu schaffen ist. Man muss sich auf die Prüfung meiner Meinung nach nicht gesondert fachlich vorbereiten. Auf das mündliche Gespräch wiederum kann man sich gut vorbereiten. Dabei wird man beispielsweise gefragt, warum man das Studium gewählt hat und wie man sich das Tätigkeitsfeld vorstellt. Wenn man sich vorher darüber informiert, kann man entspannt an die Sache herangehen.

Du bist Mama und studierst Vollzeit – wie schwer ist es, das Studium und die Familie unter einen Hut zu bringen?

Man wächst mit der Aufgabe. Anfangs hatte ich Sorgen, weil ich dachte, was tue ich wenn eines meiner Kinder krank wird? Aber das sind Probleme, die man lösen kann, obwohl am anfangs glaubt, das sind unüberwindbare Felsen. Das stimmt aber nicht, man muss merken, es geht – und es geht wirklich. Und das trotz Anwesenheitspflicht.

Fühlst du dich als Frau in einem technischen Studiengang benachteiligt oder bevorzugt?

Ich glaube, dass es in technischen Berufen von Vorteil ist, eine Frau zu sein. Frauen bringen positive Eigenschaften in Projektarbeiten oder Seminare mit ein. Das wissen Lehrende teilweise echt zu schätzen. Vor allem wenn durch Frauen eine andere Atmosphäre herrscht, in der ein anderer Spruch läuft. Doch die Frauen dürfen sich nicht davor fürchten, unter lauter Männern zu arbeiten. Im Gegenteil, weil auch Frauen davon profitieren. Ich glaube aber auch, dass es noch Benachteiligungen gibt. Etwa bei älteren Professoren, die einfach noch nicht kapiert haben, dass es Frauen auch schaffen können. Denen muss man einfach etwas Anderes, Besseres beweisen.

Du bist an der FH als Buddy tätig – welche Aufgaben übernimmst du dabei genau?

Ich berate als Buddy Personen, die entweder überlegen, ein technisches Studium zu beginnen oder sich bereits im Aufnahmeprozess befinden. Ich gebe ihnen Tipps, erzähle ihnen von meinem Studienalltag und beantworte Fragen zur Aufnahmeprüfung. Für mich ist das eine sinnvolle Tätigkeit ohne großen Aufwand, trotzdem melden sich leider viel zu wenig Studierende als Buddys.

Welchen Optimierungsbedarf siehst du in der Organisation des Studiums?

Eigentlich keinen. Der Studienplan wird dauernd optimiert und ständig wird daran gearbeitet, die Studienbedingungen zu verbessern. Was ich an der FH besonders schätze sind die Ansprechpartnerinnen und -partner, die für die Studierenden da sind. Der Studiengangsleiter, das Gender & Diversity Management, man hat Leute, die einen unterstützen. Als Frau hat man es in einem technischen Studium natürlich nicht immer leicht. Noch dazu, wenn man vom AMS kommt. Aber da muss man durchhalten und beweisen, was man kann. Dafür wird man dann aber auch respektiert.

Welche Interessen sollte man haben, damit ein technisches Studium das richtige ist?

Man darf keine Berührungsängste haben. Ich glaube nicht, dass eine besondere technische Begabung Voraussetzung ist. Wenn man eine natürliche Neugier hat, die man pflegen und schüren kann, dann reicht das schon. Man bringt sich selber um viele Möglichkeiten, wenn man sich nicht traut, ins Wasser zu springen. Viele wählen Soziale Arbeit oder Gesundheitsberufe, weil man mit Menschen arbeiten möchte. Man kann aber auch in der Technik mit Menschen arbeiten.

Warum rätst du jungen Frauen, ein technisches Studium zu wählen?

Frauen muss klar werden, welche Möglichkeiten sich mit einer technischen Ausbildung ergeben. Man verdient plötzlich das Doppelte. Mir war vorher nicht klar, welche Chancen ich jetzt habe. Man hat den Vorteil, dass man als Frau in der Technik gute Berufschancen hat, weil Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber schätzen, wie Frauen Teams auflockern. Traut es euch zu. Ich habe wahrscheinlich einen Job, bevor ich fertig bin. Aber nicht irgendeinen, wo ich überlegen muss, ob ich davon leben kann. Sondern einen super bezahlten Job, der echt gut ist und in dem ich gut verdiene.

Studiengänge

Computer Science and Digital Communications

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