Auf ein Wort mit Hans Tschürtz

In „Auf ein Wort mit…“ werden die ExpertInnen der FH Campus Wien auf die etwas andere Art interviewt: Anstatt auf Fragen zu antworten, erläutern sie Begriffe aus ihrem Fachgebiet und erklären, was sie persönlich damit verbinden.

 

Was verbinden Sie als Experte für Safety and Systems Engineering mit den Begriffen...

System

Den Begriff System verwenden wir für technische Anlagen oder Einrichtungen sowie für technische Geräte und Produkte. Beispiele für Systeme sind Steuergeräte in der Automobilindustrie oder Triebwerke in der Flugzeugindustrie.

Safety

Während in der deutschen Sprache das Wort „Sicherheit" verwendet wird, differenziert die englische Sprache zwischen Safety und Security. Mit Safety ist die Vermeidung von Schäden an Mensch und Umwelt gemeint, die von einem System selbst ausgelöst werden können.

Security

Im Gegensatz zu Safety bezeichnet Security die Sicherheit vor ungewolltem Eindringen in ein System von außen. Dem Thema Security wird ein großer Stellenwert eingeräumt. Es muss immer mitbedacht werden, dabei unterstützt uns unser IT-Security Kompetenzteam. Wichtig sind die Abgrenzung zu Safety sowie die Überlappungsbereiche zu Security und deren Grauzonen.

Systemsicherheit (System Safety)

System Safety bezieht sich auf alles, was mit der Sicherheit eines technischen Systems zu tun hat. Das Ziel von System Safety ist einerseits, dass ein System in seinem Umfeld korrekt und sicher funktioniert und andererseits, dass für die Entwicklung solcher Systeme im sicherheitskritischen Bereich ausgereifte Prozesse zur Verfügung stehen. Das Risiko von Gefahren muss dabei präventiv auf einem akzeptierbaren Level gehalten werden, sodass weder Menschen und andere Lebewesen, noch die Umwelt oder das System selbst zu Schaden kommen. Beispielsweise muss ein Kessel so sicher konstruiert und gebaut sein, dass kein Überdruck entstehen kann.

Funktionale Sicherheit (Functional Safety)

Die Funktionale Sicherheit hat den sicheren Betrieb von sicherheitskritischen technischen Systemen zum Hauptziel und ist Teil der Gesamtsicherheit. Derartige Systeme müssen ihre Sicherheitsfunktionen unter definierten Fehlerbedingungen mit definierter hoher Wahrscheinlichkeit ausführen. Ein Beispiel dafür ist ein Sicherheitsventil, das einen Kessel gegen Überdruck schützt. Kurz gesagt, die funktionale Sicherheit bezieht sich auf das korrekte und sichere funktionieren eines technischen Systems.

Fehlervermeidung

Fehler können nur durch präventive Maßnahmen vermieden werden, denn sie sollen in technischen Systemen erst gar nicht entstehen. Maßnahmen der Fehlerprävention sind systematisches Vorgehen bei der Systementwicklung, reife Prozesse sowie die Anwendung von professionellen Methoden und Maßnahmen.

Fehlertolerante Systeme

Fehlertoleranz bedeutet, dass ein technisches System im Falle eines Fehlers den kontinuierlichen Betrieb sicherstellt bzw. ein definiertes Verhalten einnimmt. Das heißt, dass die Funktionsweise des Systems im Fall des Falles aufrecht erhalten bleibt. Fehlertoleranz erhöht die Zuverlässigkeit und die Verfügbarkeit technischer Systeme.

Risikomanagement

Es ist nicht möglich, trotz aller Maßnahmen Risiken mit hundertprozentiger Sicherheit auszuschließen. Deshalb ist im sicherheitskritischen Bereich Risikomanagement unerlässlich. Ziel ist, Risiken frühzeitig zu erkennen, diese richtig zu bewerten und entsprechende Schritte einzuleiten. Größter Unsicherheitsfaktor bei der Risikobewertung ist immer noch der Mensch, daher ist eine entsprechende Ausbildung das A und O. An der FH Campus Wien wird dazu in Kooperation mit dem TÜV Austria das Masterstudium Safety and Systems Engineering angeboten.

Krisenmanagement

Krisen kann man oft nicht verhindern, aber man kann sich möglichst optimal darauf vorbereiten. Wir tragen unserer Gesellschaft und Umwelt gegenüber Verantwortung, was ein professionelles Krisenmanagement erfordert. Im Krisenfall ist ein rasches, strukturiertes und koordiniertes Vorgehen von höchster Wichtigkeit.

Safety-Analysemethoden

Safety-Analysemethoden sind das Herzstück des Safety-Engineerings, sie machen mögliche Gefährdungen (Hazards) sichtbar. Es ist wichtig, die richtige Methode in der richtigen Phase zum richtigen Zeitpunkt professionell anzuwenden. Dies stellt der integrative Safety Prozess (ISaPro®) des VISSE sicher.

VISSE

Das Vienna Institute for Safety and Systems Engineering (VISSE) orientiert seine Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten an Fragen der Systemsicherheit. Im Zentrum stehen der Gewinn von neuen Erkenntnissen und neuem Wissen sowie die Entwicklung von Systemen, Methoden, Tools und Prozessen. Die Schwerpunkte liegen dabei in den Bereichen System Safety und Functional Safety sowie in der Systemtheorie und den dazugehörigen Engineering Disziplinen. Als Partner für die Industrie und Wirtschaft stellt das VISSE seine Kompetenzen sowie sein Kompetenznetzwerk Unternehmen und anderen Institutionen zur Verfügung.

Safety-IngenieurInnen

Das VISSE hat im Bereich Safety ein neues Berufsbild auf akademischem Niveau geschaffen, den Master of Science in Engineering. Dieses Berufsbild wird in Zukunft immer mehr an Bedeutung gewinnen, da immer mehr Unternehmen mit dem Thema Safety konfrontiert werden.

Safety Day

An unserem jährlich abgehaltenen Safety Day informieren ExpertInnen aus Wissenschaft und Wirtschaft über die neuesten branchenübergreifenden Entwicklungen und Erfahrungen auf dem Gebiet der funktionalen Sicherheit und der Systemsicherheit.

Studiengang

Safety and Systems Engineering

Masterstudium, berufsbegleitend

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