3 Fragen 3 Antworten mit Safety-Experten Walter Sebron

Genügt das Rennauto OS.Car, das Studierende der FH Campus konstruiert haben, den Safetyansprüchen des Vienna Institute for Safety and Systems Engineering?

Walter Sebron forscht am Vienna Institute for Safety and Systems Engineering an der FH Campus Wien, eine in Mitteleuropa einzigartige Wissensdrehscheibe rund um das Thema System Safety. Darunter versteht man die Sicherheit komplexer technischer Systeme, von denen vielfältige Gefahren ausgehen können. Walter Sebron lehrt auch im Masterlehrgang Safety and Systems Engineering.

OS.Car heißt das Rennauto, mit dem Studierende der FH Campus Wien im Rahmen von Formula Student, einem internationalen Konstruktionswettbewerb, in Spielberg an den Start gehen. Sie nehmen daran teil, um sich mit anderen Studierenden-Teams zu messen und um sich vor Unternehmen zu profilieren. Bis es jedes Jahr im Sommer soweit ist, braucht es jedoch intensive Vorbereitungen - die Studierenden übernehmen alle Aufgaben beim Design, in der Konstruktion oder bei der Fertigung des Rennfahrzeugs.

Welche Idee steht hinter Safe OS.Car?

Im Reglement von Formula Student spielt Sicherheit zwar eine große Rolle, jedoch nur im Sinne der passiven Sicherheit - beispielsweise hinsichtlich des Crashverhaltens oder der Zeit, die der Pilot braucht, um im Falle eines Brandes das Fahrzeug zu verlassen, oder der Anbindung der Sicherheitsgurte. Unser Thema ist System Safety, das noch nicht Eingang ins Reglement gefunden hat. Gerade System Safety ist in der Automotivbranche ein entscheidender Wirtschaftsfaktor. Eine gesundheitliche Gefährdung von Menschen, die als Folge eines technischen Systemfehlers auftritt, zieht mögliche Schadenersatzfolgen für ein Unternehmen nach sich. Dazu kommt, dass die Studierenden im Vorjahr mit dem Rennauto technische Schwierigkeiten hatten, weil Regenwasser von der Fahrbahn aus in das System eingedrungen ist. Mit dem Ergebnis, dass das Auto plötzlich nicht mehr fuhr. Das ist ein anschauliches Beispiel dafür, dass sich die Themenfelder Safety und Qualitätssicherung sogar überschneiden. Vor dem Hintergrund dieser Überlegungen und Erfahrungen hat das OS.Car-Racing Team der FH Campus Wien das FH-eigene Vienna Institute for Safety and Systems Engineering (VISSE) in die Vorbereitungen für Spielberg mit einbezogen, um das Rennauto der FH Campus Wien auf Safety-Lücken checken zu lassen.

Was ist das Besondere an der angewandten Safety-Analysemethode?

Das VISSE hat eine eigene Methode - ISaPro® Shell Model Method - zur Systemabgrenzung entwickelt. Diese macht es möglich, beispielsweise ein Auto als technisches System in verschiedene Subsysteme samt deren Schnittstellen zu zerlegen. Ziel ist es, zu analysieren und visuell darzustellen, wie sich diese Subsysteme wechselseitig beeinflussen. Das Versagen einer Komponente oder der Fehler in einem Subsystem wirken sich auf das System als Ganzes aus und können bis zu dessen Totalausfall führen. Mit der ISaPro® Shell Model Method werden technische Komponenten, aber auch Umweltfaktoren wie Wettereinflüsse oder FahrerInnenverhalten betrachtet. Unseren Fokus haben wir auf die Haupt-Elektronik im Rennauto gerichtet, das Motorkontrollsystem - die Motor-ECU - und zwei Gefährdungspotenziale erkannt: die Kühlung und die Schaltung. Für beides soll es bei der Weiterentwicklung des Autos eine technische Lösung geben. Neben der System- haben wir eine Interface-Analyse gemacht. Welche Funktionen haben die einzelnen technischen Komponenten und was passiert, wenn die Kommunikationsschnittstellen nicht mehr funktionieren. Beispielsweise kann eine unbemerkte Überhitzung zu einem Motorbrand führen. Bei der Schaltung wiederum kommt es planmäßig zu einer Zündungsunterbrechung, durch die das Auto während eines Schaltvorgangs nicht beschleunigt werden kann. Es ist denkbar, dass der oder die FahrerIn aufgrund eines technischen Ausfalls nicht durch den sogenannten Schaltblitz über die Unterbrechung informiert wird. Das ist dann lebensgefährlich, wenn sich der oder die FahrerIn in einer schwierigen Situation darauf verlässt, die Gefahr durch Vollgas bannen zu können.

Wie beurteilen Sie die Zusammenarbeit zwischen VISSE und dem OS.Car-Racing-Team?

Ich sehe die Zusammenarbeit als eine klassische Win-win-Situation. Studierende bekommen durch dieses Projekt ein Bewusstsein für Safety-Aspekte und lernen erstmals eine Safety-Analyse kennen. Safety-Expertise ist in der Automotivebranche, aber auch in Branchen wie Railway, Aviation und Prozessindustrie sehr gefragt. Häufig ist die Vergabe von öffentlichen Aufträgen damit verbunden, den Safety-Nachweis eines Systems zu erbringen. Tatsache ist, dass Unternehmen nach wie vor zu wenige Safety-ExpertInnen unter ihren MitarbeiterInnen haben. Aber auch wir profitieren: Das VISSE hat die Analyse des Rennautos im Rahmen des Safety Days Unternehmen - darunter auch Autozulieferbetriebe - vorgestellt, für die die Anwendung der ISaPro® Shell Model Method einen wirtschaftlichen Mehrwert darstellt. Daraus können sich für uns Aufträge ergeben. Und Mitglieder des Racing-Teams wie Harald Frey, Studierender des Bachelorstudiums High Tech Manufacturing, haben sich an dem Projekt mit so viel Begabung und Engagement beteiligt, dass sie in unseren Forschungs- und Entwicklungsprojekten auch langfristig als MitarbeiterInnen willkommen sind.


Studiengänge

Angewandte Elektronik

Bachelorstudium, berufsbegleitend

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High Tech Manufacturing

Bachelorstudium, Vollzeit

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Embedded Systems Engineering

Masterstudium, berufsbegleitend

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Green Mobility

Masterstudium, berufsbegleitend

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High Tech Manufacturing

Masterstudium, berufsbegleitend

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Safety and Systems Engineering

Masterstudium, berufsbegleitend

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