Sophie Mühlberger zu den Special Olympics Wintergames

Sophie Mühlberger, Studentin im Bachelorstudium Logopädie – Phoniatrie – Audiologie, zum Zeitpunkt der Wintergames der Special Olympics im März 2017, im sechsten Semester.

Internationale Logopädie – mehr davon!

Allround Package und Hands-on Mentalität

Mich hat die Internationalität gereizt, weil ich in eine bilinguale Schule gegangen bin. Zudem komme ich oft an einem Standort von „Jugend am Werk“ vorbei und plaudere immer wieder mal mit den Menschen dort. Da dachte ich mir, ich würde gerne mal mit diesen Menschen arbeiten. Das, und Erfahrungen im Bereich Audiologie zu sammeln, schien mir spannend.

Studierende bei den Special Olympics Wintergames

 

Ein Gespräch „führen“

Meine Station war der erste Anlaufpunkt für die AthletInnen, hier passierten die Anamnese und die Dokumentation. Da ging es in erster Linie um Gesprächsführung und Beratung. Das hatte nichts mit technischen Geräten zu tun, sondern eher damit, wie man auf die Menschen zugeht. Denn den Aspekt der Gesprächsführung, den hat man vielleicht nicht immer so im Blick. Das war gut, um mehr Selbstvertrauen in der praktischen Anwendung zu gewinnen. Da habe ich schon was dazulernen können.

Kommunikation hat viele Formen

Selbst wenn sprachliche Barrieren da waren, wusste man sich zu helfen. Das war schon spannend, weil man auf ganz andere Dinge schaut, wenn die Sprache nicht vorrangig ist. Das war für mich schon was Neues in der logopädischen Arbeit. Es waren auch Menschen mit einer Autismus-Spektrum-Störung dabei. Das weiß man im Vorfeld nicht. Wie viel Nähe und Distanz verträgt jemand? Es ging immer auch darum, das abzuschätzen. Das war in der Quantität was ganz Besonderes. Insgesamt waren die AthletInnen sehr kooperativ und sehr aufgeschlossen. Sie haben uns sehr viel erzählt, waren aufgeregt und stolz, wenn gerade ein wichtiger Bewerb anstand.

Buttons statt Bitcoin

Schön waren dieses Gemeinschaftsgefühl und diese Menschlichkeit, die so allgegenwärtig waren. Der Umgang zwischen den Freiwilligen und den AthletInnen, den unterschiedlichen Nationen. Bei den Wettbewerben wurde miteinander gesungen und geschunkelt Es war ein Miteinander und ein reger Austausch: in Gesprächen – auch mal mit „Händen und Füßen“, wenn es sprachlich nicht ging – und was ganz nett war, der Austausch von Buttons. Die gab es überall und die haben alle gesammelt und dann wurde getauscht. Das war irgendwie die Währung dort. Wenn man sympathisch rüber gekommen ist, hat man auch mal einen Button geschenkt bekommen, das war sehr herzig!

Mehr als Schuhe mitgenommen…

Mein prägendstes Erlebnis hatte ich mit einem Buben, der zu Beginn irrsinnig schüchtern war. Im  Laufe der Anamnese ist er aber immer mehr aufgetaut. Stunden später ist er mit seinen Schuhen  zu uns gekommen, die er – wie alle anderen – bekommen hat. Er hat sie uns wahnsinnig stolz gezeigt und über das ganze Gesicht gestrahlt! Der war noch so jung und hat – außer den Schuhen, auf die er so stolz war – sicher viel aus diesem Event mitgenommen. Cool, wie sich Menschen verändern, wenn man ein bisschen was macht.

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist überflüssig

So ein Großevent ist einfach spannend, das hat so viele Facetten: den Austausch mit den AthletInnen, innerhalb des Teams, mit anderen Studierenden. Das war so eine „Kumpelatmosphäre“. Ganz toll fand ich auch, wie wir von den Lehrenden der FH Joanneum betreut wurden. Wir hatten nicht das Gefühl, dass uns ständig jemand auf die Finger schaut. Sie haben uns eher autonom machen lassen und uns Tipps gegeben. Ich fand das cool, dass dieses Vertrauen in uns einfach da war.

Ein Wort, das alle Eindrücke beschreibt, ist…

… inspirierend. In menschlicher Hinsicht und was die Internationalität betrifft. Das hat mich dazu animiert, meine Wohlfühlzone zu verlassen. Ich habe mich jetzt für ein Erasmus-Stipendium beworben. Bei den Spielen habe ich gemerkt, dieser internationale Aspekt in der Logopädie, über den Horizont hinaus schauen, das ist genau meins.


Studiengang

Logopädie - Phoniatrie - Audiologie

Bachelorstudium, Vollzeit

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