Interview mit Roswitha Engel

Gesundheits- und Krankenpflege ist ein vielseitiges Bachelorstudium, es beinhaltet Pflege- und Gesundheitswissenschaften, Medizin, Recht und Ethik sowie Sozial- und Humanwissenschaften. Studiengangsleiterin Roswitha Engel erklärt im Interview, warum die bio-psycho-soziale Betrachtung des Menschen besonders wichtig ist, welche weiterführenden Studienmöglichkeiten sich bieten und welche Stärken man für den Beruf mitbringen sollte.

Wo liegen die Schwerpunkte des Studiums?

Studierende erwerben ein fundiertes Wissen über pflegewissenschaftliche Erkenntnisse sowie über die Grundlagen der allgemeinen und speziellen Gesundheits- und Krankenpflege. Sie lernen über bewährte Pflegemethoden und -techniken ebenso wie über die Phasen des Pflegeprozesses. Dabei erwerben sie Kenntnisse Pflegeassessments durchzuführen, Pflegediagnosen und Pflegeziele zu erstellen sowie darüber, die geeigneten Pflegemassnahmen und -methoden einzusetzen und diese auf ihre Wirksamkeit hin zu bewerten. Die allgemeine und spezielle Pathologie konzentriert sich auf das gesamte akute und chronische Krankheitsspektrum. Die Studierenden lernen über diverse Krankheitsbilder, Krankheitszeichen und Diagnoseverfahren sowie über die erforderlichen medizinischen Therapieformen. In der Gesundheitswissenschaft stehen Gesundheitstheorien und -konzepte sowie die Gesundheitsförderung und Krankheitsprävention im Zentrum. Beratung, Kommunikation und Gesprächsführung sowie Organisation und Management sind fixer Bestandteil des Studiums. Die Verschränkung theoretischer Lehrveranstaltungen mit Fertigkeitentrainings und klinischen Praktika stellen eine wichtige Voraussetzung für die im künftigen Berufsfeld geforderde Handlungskompetenz dar.

Kann man mit dem Bachelorstudium auch in der Kinder- und Jugendlichenpflege tätig werden?

Ja, das ist möglich – allerdings nur mit einer zusätzlichen Sonderausbildung. Unsere Absolventinnen und Absolventen können im Kinder- und Jugendlichenbereich zu arbeiten beginnen und berufsbegleitend eine einjährige Sonderausbildung für Kinder- und Jugendlichenpflege besuchen. In Wien bietet das AKH diese Zusatzausbildung an.

Mit welchen Stärken und Interessen ist man beim Studium Gesundheits- und Krankenpflege richtig?

Man braucht die Fähigkeit, auf Menschen offen und wertschätzend zugehen zu können. Dazu gehört ein bestimmtes Maß an Empathie, man muss sich in die Situation von Patientinnen und Patienten hineinversetzen können. Gerade in der Gesundheits- und Krankenpflege ist der Mensch hinsichtlich des Krankheitserlebens nicht nur auf der körperlichen Ebene wahrzunehmen, sondern auch auf psychischer und sozialer Ebene zu sehen. Professionelle Pflege wird durch eine ganzheitliche Sichtweise charakterisiert.

Worauf sollen Interessierte bei der Bewerbung besonders achten?

Das Bewerbungsverfahren ist dreistufig: Zuerst ein schriftlicher Test am Computer, der die intellektuellen Fähigkeiten prüft – abstraktes Denken, Leseverstehen, etc. Darauf folgt ein umfassendes Bewerbungsgespräch, bei dem vor allem nach der Motivation gefragt wird. Die dritte Stufe ist eine Gruppendiskussion zu einem gesundheitsbezogenen Thema. Dabei wollen wir einen Eindruck bekommen, inwieweit sich die Bewerberinnen und Bewerber mit dem Gesundheits- und Sozialbereich und dem Studium auseinandergesetzt haben.

Welche Berufsfelder stehen Absolventinnen oder Absolventen nach dem Studium offen?

Einerseits der stationäre Sektor, also Krankenstationen unterschiedlicher Fachrichtungen wie zum Beispiel Innere Medizin, Chirurgie, Gynäkologie, Onkologie, Urologie oder Orthopädie. Andererseits arbeiten unsere Absolventinnen und Absolventen im teilstationären Bereich, etwa bei Tagstationen oder im mobilen Sektor. Das sind die allgemeinen Berufsfelder. Im Speziellen ist es noch möglich, in die Intensivpflege, Anästhesie, den Operations- oder Dialysebereich einzusteigen. Man kann sich aber auch nach mehrjähriger Berufserfahrung für das Pflegemanagement oder für die Pflegepädagogik spezialisieren, dafür braucht man aber noch eine Sonderausbildung bzw. ein aufbauendes Masterstudium.

Welche Studienmöglichkeiten bieten sich an der FH nach Abschluss des Bachelorstudiums?

Insgesamt stehen in Wien fünf weiterführende Masterprogramme offen, an der FH Campus Wien werden vier davon angeboten. Für Interessierte des Pflegemanagements bietet die FH den Masterlehrgang "Advanced Nursing Practice". Für jene, die Lehrfächer im Bereich der Gesundheits- und Krankenpflege sowie Pflegewissenschaft unterrichten möchten, haben wir den Masterlehrgang "Advanced Nursing Education" entwickelt, der Pflegepädagogik mit Pflegewissenschaft koppelt. Wer in der Gesundheits- und Pflegeberatung arbeiten möchte, wird dafür im Masterlehrgang "Advanced Nursing Counseling" ausgebildet. Das vierte Masterstudium ist an der Schnittstelle von Gesundheit und Technik angesiedelt: Health Assisting Engineering. Eine Möglichkeit für alle, die Gesundheitsthemen mit technischen Möglichkeiten verschränken und technische Lösungen schaffen wollen, um die Lebensqualität von Menschen mit Einschränkungen zu verbessern.. Die fünfte Möglichkeit ist der Master der Pflegewissenschaft an der Universität Wien, da wir mit dem Institut für Pflegewissenschaft kooperieren.

Sind Absolventinnen und Absolventen des Studiengangs derzeit am Arbeitsmarkt gefragt? Wie wird sich die Nachfrage in Zukunft entwickeln?

Sie sind sehr gefragt. Rund 97% stehen nach dem Bachelor voll im Berufsfeld. Bereits im letzten Praktikum im 6. Semester schaffen es die Studierenden, vor allem in Krankenhäusern entsprechende Stellen zu finden. 

Warum empfehlen Sie Interessierten, sich für das Studium zu entscheiden?

Weil es für künftige AbsolventInnen viele Fort-, Weiter- und Spezialisierungsmöglichkeiten gibt. Es ist ein Studium, das eine gute und breite Basis bietet. Ein interessanter Mix, der die Tür zu vielzähligen beruflichen Möglichkeiten öffnet.

Studiengang

Gesundheits- und Krankenpflege

Bachelorstudium, Vollzeit

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