3 Fragen 3 Antworten: Brigitte Kutalek-Mitschitczek zum Mythos sichere Geburt dank Kaiserschnitt

Sicherheit ist in unserer Gesellschaft ein Kernthema. Es erstreckt sich auf verschiedenste Bereiche, so auch auf den der Gesundheit. Der Geburt kommt hier besondere Bedeutung zu. Um die Sicherheitsrisiken für Mutter und Kind auf ein Minimum zu senken, ist immer öfter der Kaiserschnitt das Mittel der Wahl. Ungefähr ein Drittel der Kinder erblicken in Österreich derzeit auf diesem Weg das Licht der Welt. Vor 30 Jahren lag die Rate noch bei 5 Prozent. Liegt der Kaiserschnitt derzeit also im Trend oder ist er unabdingbarer Sicherheitsfaktor bei der Geburt? Auskunft dazu gibt Frau Mag.a Brigitte Kutalek-Mitschitczek, Studiengangsleiterin Hebammen an der FH Campus Wien.

Frau Kutalek-Mitschitczek, ist ein Kaiserschnitt immer vorteilhaft für Mutter und Kind?

Obwohl die Operationsmethode ausgereift scheint, der Eingriff kurz und der Blutverlust gering ist, sollte ein Kaiserschnitt nicht ohne Indikation durchgeführt werden. Das ist laut WHO bei 10 bis 15 Prozent aller Geburten der Fall, der Rest der Eingriffe wird ohne eindeutige Problematik vorgenommen. Dabei wird leider oft vergessen, dass die Geburt einen wichtigen Einfluss auf die physische und psychische Befindlichkeit des Menschen hat. Die Unterbrechung dieses natürlichen Prozesses geht mit einer Reihe von Konsequenzen einher.

Also muss man neben der Sicherheit bei der Geburt noch andere Faktoren berücksichtigen?

Ja, denn nicht selten sind Mütter neben der körperlichen Schwächung nach einem Kaiserschnitt auch traumatisiert. Unzureichende Aufklärung im Vorfeld und fehlende Nachbetreuung fördern dieses Problem. Bei Kindern, die spontan auf die Welt gebracht werden, setzt der Reifungsprozess schon während der Geburt ein. Ist dieser durch einen Kaiserschnitt gestört, kann das viele Konsequenzen wie beispielsweise eine Schwächung des Immunsystems zur Folge haben. Das Risiko für Krankheiten wie Asthma bronchiale oder Lebensmittelallergien steigt um das Zweieinhalbfache an. Wenn also die Möglichkeit besteht, ein Kind auf natürlichem Weg ins Leben zu begleiten, auch wenn dies vielleicht nicht immer der einfachste Weg ist, würde ich als Frau auf jeden Fall diese Wahl treffen.

Was raten Sie daher werdenden Müttern?

Sicherheit beginnt und endet nicht beim Kaiserschnitt, viele Faktoren tragen dazu bei. Ebenso wichtig wie die medizinische Versorgung ist es, dass werdende Mütter sich genau über die Geburt informieren. Auch sollten sie ihrem Körper vertrauen und auf ihren Instinkt hören. Hier können Hebammen große Unterstützungsarbeit leisten, um Frauen ein besseres Verständnis und einen natürlichen Zugang zur Geburt zu vermitteln. Das nimmt Unsicherheiten und ermöglicht es Müttern, für sich selbst und für ihr Kind die richtige Entscheidung zu treffen.


Studiengang

Hebammen

Bachelorstudium, Vollzeit

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