Forschungsfeld Public Management Research

Public Management kann als eine Verbindung der normativen Orientierung der traditionalen öffentlichen Verwaltung mit der instrumentellen Orientierung des allgemeinen Managements begriffen werden (Perry & Kraemer 1983). Public Management impliziert daher eine auf das Gemeinwohl der Gesellschaft ausgerichtete Handlung des Staates, angesichts der besonderen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts: der demografische Wandel, die Wirtschafts- und Finanzkrise, die Verschuldung öffentlicher Haushalte oder Umweltveränderungen wie der Klimawandel. Diese Phänomene sind als Teilaspekte des globalen Wandels eng miteinander verknüpft. Maßnahmen, Prozesse und Strukturen die diesen Problemen entgegenwirken sollen, sind daher ohne der Steuerung und Gestaltung der organisationalen Interdependenz (Metcalfe & Richards 1987) und internationalen Austausch kaum möglich. Public Management Research ist als Untersuchung dieser Maßnahmen, Prozesse und Strukturen zu verstehen (Pollitt 1996). Diese Untersuchung beinhaltet auch die normative Ausrichtung dieser Maßnahmen und Verwobenheit mit der Politik, ihre intendierten und nichtintendierten Auswirkungen, ihre Gegenstände und Rahmenbedingungen inkl. der Spezifika im Vergleich zum privaten Sektor, wie auch die fachlichen und gesellschaftlichen Diskurse über den Staat und Verwaltung.

Organisation, Wissen und Technologie(n): Wandel der Arbeitspraxis

Wissen nimmt in einer Organisation unterschiedliche Formen an. In seiner „festen“ Form, als eine Art Ressource für spätere Handlung, wird Wissen in Körpern und Artefakten (Dokumenten, Werkzeugen/Technologien, Räumlichkeiten) eingeschrieben, während es in seiner „fließenden“ Form in unterschiedlichsten Praxen der Organisation zum Ausdruck kommt. Quer zu diesem ersten Spannungsfeld befindet sich ein zweites, das zwischen Ausschlusslogik (d.h. Wissen zirkuliert nur zwischen bestimmten Organisationsmitgliedern oder Gruppen und geht mit Macht einher) und Ausbreitungslogik (d.h. Wissen entfaltet seine Wirkung durch kollektive Ausbreitung und Sozialisation) liegt. Zugleich ist nicht jedes Wissen erwünscht, da es, möglicherweise unerwünschte oder veraltete, Praxen und Umgangsformen stabilisiert. Veränderungen der materiellen technologischen „Infrastruktur“ einer Organisation verursachen Verschiebungen und Verunsicherungen in beiden Spannungsfeldern. Zugleich bringen technische Innovationen wie etwa Web 2.0 oder Telework-Ansätze neue Herausforderungen in Bereichen der Führung und Subjektivierung hervor. Wissens- und Technologiemanagement gewinnt gerade in Zeiten der Budgetknappheit, Überalterung der Gesellschaft und Personalknappheit in der Bundesverwaltung an Wichtigkeit, um einerseits das richtige Wissen (und die richtigen Kompetenzen) zur richtigen Zeit am richtigen Ort zur Bewältigung bestehender und neuer Herausforderungen zu besitzen, aber andererseits auch langfristig das organisationale Gedächtnis, Innovationsfähigkeit und Arbeitgeberattraktivität zu sichern.

Da diese Themen im Bereich Public Management sowohl in der Praxis als auch in der Organisations- und Verwaltungsforschung zunehmend an Bedeutung gewinnen, bildet der Themenkomplex „Organisationales Wissen und (neue) Technologien der Arbeit“ einen Schwerpunkt des Kompetenzzentrums. Die WissenschafterInnen des Kompetenzzentrums nähern sich den damit verbundenen Fragestellungen im Kontext der öffentlichen Verwaltung aus soziologischer und politikwissenschaftlicher Sicht. Dabei werden insbesondere praxistheoretische und ethnographische Forschungsansätze verfolgt. Durch die wissenschaftliche „Brille“ der sozialen Praxis rücken geregelte, häufig routinierte Interaktionen von Menschen und materiellen Objekten (wie Räumen, Technologien oder Dokumenten) ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Von besonderem Interesse ist dabei die Rolle des Wissens in Organisationen, etwa des eingeschriebenen und verkörperten Wissens oder verteilter Wissensbestände. Neben den Praktiken des Wissensmanagements sind beispielsweise auch organisationale Narrative und Mythen des Wissens (deren Konstruktion und Wirkungsentfaltung in der Praxis) Gegenstand der Forschung. Soziale Praxis dient so als ein Fenster auf Verwaltungsorganisationen und -abläufe, welches viele wichtige Kategorien der Sozialforschung, wie z.B. Sinn, Identität, Rolle, Affekt, Organisation, Wissen, Macht, Staat, als vorerst durch Praxis produziert oder durchzogen versteht. TrägerInnen der untersuchten sozialen Praktiken sind dabei nicht nur Menschen, sondern auch Artefakte, d.h. materielle Objekte, die konkrete Praktiken und deren Ausführung stabilisieren und Wissensbestände tragen. Insofern wird auch der Technik und neuen Arbeitsformen (einschließlich neuer Konfliktfelder), wie etwa Digitalisierung und Heimarbeit, sowie damit zusammenhängenden Fragen der Organisationskultur und -struktur ein wichtiger Stellenwert zugeschrieben.

  • Welches Wissen ist in unterschiedliche Praktiken der Verwaltung involviert?
  • Wie können unterschiedliche Auswirkungen der Maßnahmen des Wissensmanagements oder dislozierten Arbeitens gemessen und evaluiert werden?
  • Wie verändern sich bestimmte Aspekte der Organisationskultur und -struktur (wie etwa Hierarchie, Informalität oder Führung) durch die Einführung von Ansätzen der Lernenden Organisation (z.B. Communities of Practice), Wissenserhaltungsmaßnahmen (z.B. Leaving-Expert-Interviews) oder durch Telework-Ansätze?
  • Welche potenziellen Konfliktfelder entstehen in einer Organisation und ihrem Umfeld durch technologische Veränderungen und durch welche AkteurInnen werden diese getragen? Welche gesellschafts-, sozial- und wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen sind notwendig, um der Diversität der Interessen gerecht zu werden und Konflikte zu vermeiden?
  • Wie entwickeln und entfalten unterschiedliche organisationale Narrative, Vorstellungen und Mythen des Wissens innerhalb der Verwaltung ihre Kraft? Welche Rolle spielen diese Vorstellungen beim Organisieren?
  • Wie verschiebt sich die Verteilung von Wissen zwischen Menschen und Artefakten als Ergebnis des Wandels von Materialität (z.B. von Papier-Dokumenten zu Dokument- und Workflow-Management-Systemen oder Web 2.0, Digitalisierung, Telework-Tools)? Wie wirken sich dieser Wandel und damit verbundene Prozesse der Subjektivierung auf MitarbeiterInnen aus (Rolle, Identität, Sinn)?

Inklusion – Exklusion: Demokratiepolitische Herausforderungen für Gesellschaft und Verwaltung

Moderne Gesellschaften sind durch zunehmende Vielfalt und eine Pluralität sozialer und politischer Standpunkte und Anliegen gekennzeichnet. Analytisch lässt sich diese Diversität u.a. entlang der Achsen Ethnizität (Migration, Minderheiten, Sprachenvielfalt etc.), Gender und soziale Schichten aufschlüsseln. Der wachsenden gesellschaftlichen Vielfalt stehen allerdings auch Exklusions- und Segregationsprozesse gegenüber, die sich u.a. in sozialer und räumlicher Hinsicht äußern und ihren politischen Ausdruck in Abschottungsbestrebungen und Radikalisierungstendenzen finden können. Die zunehmende Ausdifferenzierung der Gesellschaft birgt damit sowohl großes gesellschaftliches Potential wie auch neue Herausforderungen.

Die Förderung von Vielfalt einerseits und sozialem Zusammenhalt andererseits ist ein wichtiger Grundpfeiler eines gemeinwohlorientierten Verständnisses von Public Management, wie es im Studiengang Public Management vermittelt wird. Public ManagerInnen arbeiten in einem Spannungsfeld von gesellschafts- und organisationspolitischen Herausforderungen: Sie sind einerseits als „ManagerInnen von Politik“ gesellschaftsgestaltend tätig, andererseits als Angehörige von staatlichen/staatsnahen Organisationen selbst mit den Effekten sozialer Veränderungen konfrontiert. Als „ManagerInnen von Politik und Öffentlichkeit“ müssen sie z.B. Exklusions-, Desintegrations- und Radikalisierungstendenzen in der Gesellschaft entgegensteuern (z.B. durch Deradikalisierungsprogramme). Als Organisationsangehörige sind sie häufig im eigenen Arbeitsumfeld mit Inklusionsprogrammen (z.B. Vorgaben des Nationalen Integrationsplans für Integration; Diversityförderung) befasst.

Die Forschung im Schwerpunkt ‚Inklusion – Exklusion‘ nähert sich den damit verbundenen Fragestellungen aus unterschiedlichen, interdisziplinären Perspektiven. Der Fokus liegt dabei:

  • auf der Erforschung (der Ursachen) von Exklusions- und Abschottungstendenzen bzw. entsprechenden Bewegungen wie auch von sozialen und politischen Bewegungen, die sich für Teilhabe und gesellschaftliches Miteinander einsetzen;
  • auf dem Umgang der Verwaltung mit diesen gesellschafts- und demokratiepolitischen Herausforderungen,
  • auf der Analyse und Weiterentwicklung von Instrumenten der Inklusion (etwa im Bereich Diversity Management und Gender Mainstreaming) unter Einbeziehung ihrer jeweiligen Organisationskontexte (z.B. in Organisationen der öffentlichen Verwaltung).

  • Wie äußern sich Prozesse der Abschottung und Forderungen nach Ausschluss bestimmter Gruppen in Diskursen und sozialen Praktiken (u.a. in rechtsextremen/-populistischen, rassistischen oder islamistischen Bewegungen)? Welche gesellschaftlichen Bedingungen befördern diese Tendenzen und tragen zu ihrer Verbreitung bzw. zur Radikalisierung bei?
  • Unter welchen Bedingungen und in welcher Form werden Exklusion, Abschottung und Radikalisierung zu Problemen für die Verwaltung? Welche Policies und Maßnahmen (etwa: Monitoring-Instrumente, Präventionsprogramme oder rechtliche Maßnahmen) wurden in diesem Kontext entwickelt und mit welchen Resultaten umgesetzt? Und welche Praktiken der Inklusion im Sinne einer Bejahung von Vielfalt, dem Aufbau eines gesellschaftlichen Miteinanders und der Ermöglichung von sozialer und politischer Teilhabe werden ihnen entgegengesetzt?
  • Welche institutionellen Maßnahmen zur Inklusion und Förderung benachteiligter Gruppen werden in bestimmten organisationalen Kontexten (Behörden, Unternehmen…) entwickelt und (wie?) umgesetzt? Mit welchen Ergebnissen? Wo liegen Probleme bzw. inwiefern besteht Verbesserungspotential? Auf welchen institutionellen Ebenen (kommunal, regional, staatlich, supranational) und in welchen organisationalen Strukturen ergeben sich welche Spielräume bzw. Hindernisse für Inklusionsmaßnahmen?

  • Aus- und Weiterbildungsforschung (Berufsfeldanalysen, Kompetenzforschung und darauf aufbauende Bildungsprozesse)
  • Leadership - Followership

Forschungsteam


Studiengänge

Public Management

Bachelorstudium, berufsbegleitend

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Public Management

Masterstudium, berufsbegleitend

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