Bild: 3D-Grafik FH Cmapus Wien

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9. GENDER SALON: Gender aus Männersicht

Der 9. GENDER SALON an der FH Campus Wien lud am 7. Februar zum Thema „Gender aus Männersicht“ ein. Mag. Romeo Bissuti präsentierte dieses Thema vor einem zahlreich erschienenen Publikum. Im Allgemeinen verbinden viele die Frage der Gleichberechtigung von Frauen und Mädchen mit „Gender“. Die Botschaft des Abends lautete im Gegensatz dazu: „Gender geht Frauen und Männer an“. Und: Die männliche Sozialisation hemmt das Thematisieren von „Mann-Sein“.

Unter den Gästen war auch der Rektor der FH Campus Wien Prof. (FH) Dr. DI Heinz Schmidt. Das Interesse war so groß, dass schon Wochen vorher keine Anmeldungen mehr entgegen genommen werden konnten.

 

 

„Täter – Opfer“ oder „Gewinner – Verlierer“?
Bissuti studierte Psychologie und ist Mitinitiator und Obmann der White Ribbon Kampagne Österreich, freier Mitarbeiter der Wiener Männerberatung sowie Mitbegründer und Leiter des MEN Gesundheitszentrums. Er startete den interessanten Abend mit vergleichenden Zahlen und Fakten zwischen Männern und Frauen zum Thema „Lesen zum Vergnügen“ von SchülerInnen, Gewalttaten, Gesundheit, Ernährungsgewohnheiten und mehr. Männer schnitten in jedem Vergleich deutlich schlechter ab als Frauen. Dass Männer rund 90% der Gewalttaten begehen, überraschte nicht. Ein unbeachteter Aspekt ist aber freilich, dass 16 bis 24-jährige Männer die Hauptgruppe der von Gewalt Betroffenen darstellen und dass die Eigensicht nicht von „Opfer – Täter“ sondern von „Gewinner – Verlierer“ geprägt ist. Tatsächlich sind aber Frauen und Männer in solchen Fällen gleichermaßen Opfer. Männer sind, wenn auch zu einem geringeren Prozentsatz als Frauen, beispielsweise Opfer von Kindesmisshandlungen, sexueller Gewalt, Übergriffen in der Arbeitswelt, von Gewalt gegen Homosexuelle, Inhaftierte oder Präsenzdienstleistende. Gleichzeitig sind sie aber gerade in jungen Jahren mit einem hohen Peer-Rollendruck konfrontiert, mit dem sozialisierten Empfinden, dass Gewaltbereitschaft Anerkennung bringt oder mit der Angst als „schwul“ oder als „Weichei“ zu gelten. Viele Männer eifern oft unerreichbaren Männlichkeitsidealen nach und leben in Konkurrenz zueinander. Und das ist nicht die Entscheidung des Einzelnen, sondern das Ergebnis ihrer Sozialisation.

Männer im Wandel
Auch Männer müssen lernen mit ihren Problemen umzugehen und nicht mit Gewalt, Verstummen, Rationalität oder Kontrollbedürfnis zu reagieren. Sie lernen etwa in der Männerberatung selbstbezogen Gefühle zuzulassen und nicht abzuwehren. Bissuti geht davon aus, dass immer mehr neue männliche Rollen entstehen und auch Männer insgesamt im Wandel leben. Die Tendenzen im Rollenverhalten heutiger Männer sind widersprüchlich - von „modern“ bis „traditionell“. Wobei die männliche Eigenwahrnehmung als „modern“ laut Bissuti auch zu hinterfragen ist, weil – durch die Genderbrille betrachtet – Männer weniger selbstkritisch sind als Frauen. Männer sind heute mit Themen wie beispielsweise Work Life Balance, Karenz, psychischer Gesundheit konfrontiert und müssen ihr individuelles Mann-Sein und Selbstempfinden erst zur Sprache bringen. Nicht umsonst sind Männer statistisch wesentlich gefährdeter in Stresssituationen zu Alkohol zu greifen oder psychisch zu erkranken, weil sie „ein Mann sein wollen“.

 

Mehr Infos:

 

Gender Mainstreaming und Diversity Management
www.whiteribbon.at
www.maenner.at
www.men-center.at


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