Bild: 3D-Grafik FH Cmapus Wien

News

Anzeige filtern:

Raps statt Erdöl – neues Patent zur verbesserten Herstellung von Chemikalien

Image Bioreaktor
© Michael Rausch-Schott
Der Fachbereich Bioengineering hat mit dem Wiener Biotech-Unternehmen Vogelbusch eine Patentanmeldung eingereicht. Im Rahmen des in Kooperation laufenden und von der FFG geförderten Forschungsprojekts „Propandiol“ wurde ein speziell geeigneter Mikroorganismus gefunden, mit dessen Hilfe Chemikalien aus kostengünstigeren erneuerbaren Rohstoffen hergestellt werden. Die Entwicklung dieser verfahrenstechnischen Verbesserung trägt dazu bei, Erdöl als Grundlage für Chemikalien durch erneuerbare Rohstoffe zu ersetzen.


Speziell geeignetes Milchsäurebakterium eingesetzt

Bei dem Mikroorganismus handelt es sich um ein spezielles Milchsäurebakterium, das mit vielen auch verunreinigten Kohlenstoffquellen pflanzlicher Herkunft – etwa Raps – auskommt. Nicht aufgereinigte Kohlenstoffquellen sind in der Regel wesentlich billiger als „gereinigte“, jedoch häufig nur schwer einsetzbar. Bei der Herstellung von Biodiesel – einem in Europa verbreiteten Biotreibstoff – fallen mehr als 10% Glycerin in einer sehr verunreinigten Form an. Aus diesem Rohglycerin wird im Rahmen des FH-Projekts mit Hilfe des speziellen Milchsäurebakteriums Propandiol hergestellt.

 

FH Campus Wien und BOKU bilden gemeinsam DissertantInnen aus

„DI Stephan Pflügl hat als FH-Absolvent und nunmehriger Doktorand einen wichtigen Beitrag zu der nun möglichen Patentanmeldung geleistet. Im Rahmen von Forschungsprojekten bilden wir gemeinsam mit der Universität für Bodenkultur auch DoktorandInnen aus.“ unterstreicht FH-Prof. Dr. Michael Sauer, Leiter des Projekts „Propandiol“ an der FH Campus Wien, den Nutzen der Forschung für die Ausbildung der Studierenden. Mit dem in bisherigen F&E-Projekten erworbenen Know-how ist es sogar gelungen, die FH Campus Wien 2010 als Partner für das Kompetenzzentrum „Austrian Center of Industrial Biotechnology“ zu etablieren.

 

Biotechnologisch hergestelltes Propandiol für die chemische Industrie

Propandiol ist ein zweiwertiger Alkohol, der biotechnologisch oder auf Erdölbasis erzeugt werden kann. Die biotechnologische Herstellung hat die ehemalige Nischenchemikalie mittlerweile massenproduktionstauglich macht. Da 1,3-Propandiol Ausgangsmaterial für neuartige Kunststoffe mit hervorragenden physikalischen und chemischen Eigenschaften ist, ist das Interesse der Industrie an verfahrenstechnischen Verbesserungen groß. Der Anteil biotechnologischer Verfahren am Umsatz der Chemischen Industrie liegt derzeit bei etwa 5 Prozent, der Anteil am Umsatz der Pharmaindustrie schon bei 15 Prozent. Diese Prozentmarke soll die Chemische Industrie als definiertes EU-Ziel bis 2015 erreichen. Insgesamt wird der weltweite Umsatz mit weißer – industriellen – Biotechnologie im Jahr 2015 auf rund 300 Milliarden US-Dollar geschätzt. Die Vorteile der weißen Biotechnologie liegen vor allem im reduzierten Rohstoffverbrauch, in der höheren Energieeffizienz, in verminderten Emissionen wie CO2 und einer Verringerung der Produktionskosten. Die weiße Biotechnologie gewinnt auch für Verfahren und Produkte in der Lebensmittel-, Textil-, Kosmetik- und Papierindustrie an Bedeutung.

 

Technisch-naturwissenschaftliche Studiengänge in Kooperation mit der BOKU

Das Bachelorstudium Bioengineering  sowie die Masterstudiengänge Bioverfahrenstechnik, Biotechnologisches Qualitätsmanagement und Bioinformatik werden am Standort und in Kooperation mit der BOKU geführt. Sie sind auf die biotechnologische Industrie ausgerichtet. Beim Masterstudium Bioverfahrenstechnik geht es um die technische Nutzung von Mikroorganismen, tierischen Zellen oder anderen biologischen Materialien. Sie reicht von der Herstellung von Produkten, über die Entwicklung von Testkits bis zur Planung von Produktionsanlagen. Qualitätsmanagement und regulatorische Angelegenheiten sind dabei wesentlich und bilden die Basis für die Zulassung von Arzneimitteln, Wirkstoffen, Medizinprodukten bzw. von Lebens- und Futtermitteln oder Kosmetik. Speziell in diese Richtung verbindet das Masterstudium Biotechnologisches Qualitätsmanagement technische Fachkompetenz mit Methoden der Betriebsführung. Das Masterstudium Bioinformatik bereitet darauf vor, riesige Datenmengen der Biotechnik effektiv zu verarbeiten und zu analysieren.

 

Nähere Infos zu den Studiengängen:

Bachelorstudium BioengineeringMasterstudium BioinformatikMasterstudium Biotechnologisches QualitätsmanagementMasterstudium Bioverfahrenstechnik

 

Vogelbusch GmbH

Das Unternehmen ist seit der Gründung im Jahre 1921 im Bereich Planung und Anlagenbau für die Biotechnologie tätig. Mit Wissen und Erfahrung in der Bioprozesstechnik für die Biocommodity-Industrie sowie für die Pharma- und Biopharma-Industrie ist Vogelbusch weltweit erfolgreich in der Projektrealisierung. Nähere Infos unter

http://www.vogelbusch.com